Wenn es um das Wohl von König Kunde geht, sind die Deutschen stets vorbildlich. Glaubten sie jedenfalls bis vor kurzem. Als Karl-Heinz Funke im Sommer 1999 gefragt wurde, ob hiesige Verbraucher wirklich vor hormonbehandeltem Rindfleisch aus Amerika geschützt werden müssen, gab der damalige Landwirtschaftsminister in der ZEIT zu Protokoll: "Nach allem, was wir gegenwärtig wissen, gibt es überhaupt keinen Grund, das Importverbot zu lockern."

Nach allem, was Funke im Juni 1999 hätte wissen sollen, hätte er die Verbraucher schon damals eher vor dem Verzehr von deutschem denn amerikanischem Rindfleisch schützen müssen. Denn schon im Januar 1999 hatten ihn Wissenschaftler der Universität Kiel gewarnt: Die ersten deutschen BSE-Fälle seien "sehr wahrscheinlich" bereits "in der Zeit von 1989 bis 1991" auf einem Hof bei Hannover verursacht worden - und nicht durch den Import bereits infizierter Rindviecher, wie bis vor kurzem die offizielle Lesart war. Der unschöne Verdacht sei freilich "unter den Teppich gekehrt" worden, sagt der Kieler Zoologieprofessor Sievert Lorenzen, einer der Warner von damals.

Würde hierzulande der Verbraucherschutz ernst genommen, hätten bei den Zuständigen sogar noch viel früher die Alarmglocken schrillen müssen. Bereits vor zehn Jahren entdeckte die Veterinärin Margrit Herbst auf dem Schlachthof in Bad Bramstedt 21 Rinder mit BSE-Symptomen. Weil sie öffentlich eine Untersuchung forderte, wurde sie als "durchgedreht" von der Kreisverwaltung Bad Segeberg entlassen.

Über den Fall der norddeutschen Tierärztin wurde 1994 öffentlich berichtet - unter anderem im stern und in der Neuen Revue. Mangelnde Kommunikation kann demnach kaum der Grund für das Missmanagement erst von Unionspolitikern, jetzt von Sozialdemokraten und Grünen sein. Dass man nicht aufhorchte, hat andere Gründe: Die einen handelten nach der Devise, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Die anderen waren nicht zuständig. So blieb Deutschland BSE-frei.

Der organisierten Verantwortungslosigkeit soll nun die von Kanzler Gerhard Schröder beauftragte Präsidentin des Bundesrechnungshofs, Hedda von Wedel, auf die Spur kommen. Ihr Rapport erfüllt seinen Zweck, wenn er zwei Fragen beantwortet: Wer hat beim Rinderwahn geschlampt, vertuscht, gelogen? Und: Wie kommen die Interessen von König Kunde in Zukunft besser zur Geltung? Dass die BSE-Beauftragte schon vor Beginn ihrer Detektivarbeit mit einem Verbraucherministerium liebäugelt, gibt Anlass zu Hoffnungen.

Womöglich wird ihre Anregung nun schneller als gedacht Realität.