Ob so ein Ereignis auch in der Hauptsaison stattfinden könne? Nein, sagt Tschoner, das würde der Ort vom Publikum her nicht vertragen. -

Chancenlos, sagt Hannes Seyrling, der Obmann des Tourismusverbandes und Besitzer eines der ersten Hotels am Platz. Ansonsten findet Seyrling aber, dass es Zeit war, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Vor zwei Jahren hat Seyrling das schon einmal versucht. Mit einigen Partnern baute er vor dem nördlichen Ortseingang das Play Castle, eine Art Erlebnisschloss mit Motion-Ride-Kino, Inlineskate-Bahn und Formel-1-Simulatoren. Mittlerweile ist das Gebäude geschlossen. Es sind nicht genug Jugendliche gekommen. Die Bank hat weitere Kredite gesperrt und Seyrling mit seinen Freunden 30 Millionen Schilling verloren. Die Tiroler haben das Schloss komplett negiert, sagt Seyrling. Es klingt so, als verkneife er sich den Zusatz: Diese Ignoranten.

Mit Rückenpanzer und Arschwanne

Vielleicht hatten die Jugendlichen keine Lust auf eine interaktive Fahrschule. Vielleicht wollten sie einfach nicht neben griechischen Statuen in einem Internet-Café sitzen. Vielleicht war es ihnen zu blöd, in maßgeschneiderten Erlebniswelten abgestellt zu werden, wenn sie doch eigentlich in die Bars wollten, deren Türsteher ihnen den Eintritt verweigerten. Und wahrscheinlich ist es mit dem Air & Style ähnlich: Die Jugendlichen werden Seefeld durchschauen und merken, dass sie PR-Staffage sind und ihr Sport zu einer einmaligen Attraktion aufgeblasen wird, während im Skigebiet eine anständige Halfpipe fehlt. Sie werden spüren, dass man sich zwar offen gibt, aber ihr Anblick den Hoteleliers Panik in die Augen treibt.

Im Fünf-Sterne-Klosterbräu zum Beispiel. Er habe die Stammgäste davon abgehalten, an diesem Wochenende zu kommen, sagt der Manager. Vielleicht war es besser so: Freitagnacht um zwei musste er nach einer Pool-Party der Snowboarder das dreckige Wasser des Schwimmbeckens ablassen.

Christian Herles glaubt, die Pool-Party habe ihr Ziel erreicht. Die Formel ist einfach, sagt der Marketingchef des Hauptsponsors G-Shock, einer Uhrenmarke. Wenn Seefeld weiter der altbackene Pelzträgerort bleibt, rebelliert die Jugend. Herles ist 40 Jahre alt, hat unruhige, flackernde Augen, schwarze wirre Haare und eine heisere Stimme. Wenn Herles redet, benutzt er Slogans wie Geld ist nix, Image ist alles oder Life is a challenge, als könne ihn das 20 Jahre jünger machen. Wer ihn nicht gleich versteht, dem sagt er: Das ist a matter of fact. Der Air & Style sei undisputed die Lichtgestalt in der Snowboard-Welt. Für die Top-Rider sei der Wettbewerb übrigens wichtiger als ein Olympiasieg. Für wen? Das fiele ihm jetzt gerade nicht ein.