Vom neuen Flaggschiff der Kölner Museen sprach bürgernah der Landeskulturminister Vesper. Und das Haus rührte sich nicht. Stolz und steinern, mit klassischem Gestus fest im römischen Grund verankert, ruht das neue Wallraf-Richartz-Museum über mittelalterlicher Bebauung und antikem Mars-Heiligtum. Statisch, auf Symmetrien bedacht, modulgerecht: keine Architektur, die Bewegung begünstigte, eher eine Kunstfestung von kühler Strenge, wie für geschlossene Gesellschaften erdacht.

Nur Nichtkölner sagen so etwas. Schließlich befinden wir uns im Herzen der römischen wie der modernen Stadt: unter dem Pflaster so viel Vergangenheit, dass es für einen Archäologietunnel vom Dom bis Sankt Maria im Kapitol reichte. Rathaus und Gürzenich, die weltlichen Zeugen des Heiligen Köln, als Nachbarn. Die schöne gotische Ruine von Alt Sankt Alban, dem Museum unmittelbar durch große Fenster verbunden. Und allerlei gesichtslose Nachkriegsbauten.

Ob Oswald Maria Ungers' hermetische Museumsschöpfung den städtebaulich sensiblen Ort rettet? Schließlich besteht Hoffnung, dass dieses Museum mit einer fast 175-jährigen Geschichte nun sein Haus bestellt hat. Im Jahr 1986 feierte Köln die Verbindung ebendieses Kunstinstituts, dessen bedeutende Bestände von etwa 1300 bis in die Zeit um 1900 reichen, mit dem neu gegründeten Museum Ludwig zum heute allvertrauten Museumskomplex an Dom und Hauptbahnhof. Es war das größte und ehrgeizigste Bauprojekt in der Geschichte der Stadt. Und seither machen Kölns Kulturpolitiker keinen Hehl daraus, dass sie die Attraktivität zeitgenössischer Kunstproduktion höher einschätzen als Lochner, Rubens oder gar Künstler des 19. Jahrhunderts.

Köln im Kunstrausch, so hieß das damals. Köln strahlte, alle Welt staunte und registrierte: 280 Millionen Mark ausgegeben

mit einem weiträumig gestaffelten Bau ein Beispiel begehbarer Stadtkultur geschaffen

dank solcher fußläufiger Animierzonen Mutter Kirche und Vater Rhein ans Haus gebunden und die Autos vertrieben. Fließender Verkehr für Kunst und Publikum. Das war das "offene Museum" - ein Erfolgsrezept der siebziger Jahre und so schwierig einzulösen wie der fromme Glaube an die Einheit der Kunst und deren nutzbringende Konfrontation über die Jahrhunderte hinweg. Das Wallraf-Richartz-Museum zog dabei nicht nur räumlich den Kürzeren. Und wurde schlussendlich herauskomplimentiert.

Denn der allmächtige Kunstmäzen Peter Ludwig meldete 1994 mit einer weiteren Großschenkung klassischer Moderne neuerlichen Raumbedarf für das Museum Ludwig an. Stiftungen und Dauerleihgaben des Aachener Sammlerpaares Irene und Peter Ludwig hatten bereits den 1957 entstandenen ersten Nachkriegsbau von Rudolf Schwarz gesprengt und zugleich der Stadt einen beispiellosen Kunstboom beschert. So kam, was kommen musste, eine Scheidung der Museen in gegenseitigem Einvernehmen. Eine groß angelegte Zukunft für die Modernen und für das Wallraf-Richartz-Museum - für 63 Millionen Mark - der maßgeschneiderte Ungers-Bau im einstigen Wohnviertel mittelalterlicher Künstler, kaum zehn Fußgängerminuten vom Museum Ludwig entfernt.