Das Timing hätte nicht besser sein können: Gerade mal 24 Stunden vor der Vereidigung des 43. US-Präsidenten George W. Bush kam in New York ein Kleinod aus den ersten Tagen der Vereinigten Staaten zur Auktion. Das nicht einmal sechs Zentimeter große, ovale, goldgefasste Medaillon mit Monogramm ist die früheste Darstellung George Washingtons im Amt. Im Jahr der Französischen Revolution 1789 fertigte es der in Irland geborene und in die USA ausgewanderte Maler John Ramage im Auftrag des ersten Mannes im Staat an - als Geschenk für seine First Lady, Martha Dandridge Curtis Washington.

Die Dreiviertelansicht mit mild-entschiedenem Blick unter weiß gepuderten Haaren in blau-gelber Uniform mit goldenen Epauletten war Christie's nicht nur einen eigenen Katalog, sondern auch eine one work auction wert. Die nationale Temperatur im Vorfeld des Präsidentenwechsels war zu diesem gut gewählten Zeitpunkt erhöht.

Zudem hatte gerade Bill Clinton vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus noch die Nummer 31 in der Präsidentenfolge geehrt und ein bronzenes Denkmal enthüllt, das Franklin D. Roosevelt im Rollstuhl sitzend zeigt. So hatte das Volk ihn nie zu Gesicht bekommen. Das körperliche Gebrechen hätte sich machtmindernd auswirken können und wurde wie ein Staatgeheimnis gehütet: Auf mehr als 100 000 Fotos ist Roosevelt nur zweimal in dem nach eigenen Anweisungen angefertigten Gefährt aus einem Küchenstuhl und zwei Fahrradrädern zu sehen.

Auch wenn schon einige US-Präsidenten in aller Öffentlichkeit Opfer von Attentaten wurden,Tabus brachen oder sich wie jetzt George W. Bush vor den Fernsehzuschauern auf dem Tanzparkett blamieren, vieles bleibt im Verborgenen, vor allem ihr Gesundheitszustand. Wie sehr mancher für seine Aufgabe als mächtigster Mann der Welt die Zähne zusammenbeißen musste, zeigte vor drei Jahren eine eigenartige Ausstellung in Philadelphia Wenn der Präsident ein Patient ist. Dort wurde auch erstmals der Rollstuhl von Roosevelt gezeigt, Abraham Lincolns blutiger Hemdkragen war zu sehen, ebenso das Stützkorsett Kennedys. In der Schau konnte man anhand eines Wachsmodells auch erfahren, dass George Washington sich mit einem Karbunkel herumplagte.

Davon ist natürlich nichts auf der schönen Miniatur zu sehen, sonst wäre sie wohl kaum einem anonymen Telefonbieter 1,216 Millionen Dollar mit Aufpreis wert gewesen. Vier Generationen war das Bildnis in der Familie gehütet worden. Aus den Händen der Präsidentengattin ging es in die Familie ihrer Nichte, bis es 1907 verkauft wurde und schon einmal im Jahr 1988 bei Christie's in New York unter den Hammer kam und in eine Galerie weiterwanderte.

Dass solche historisch bedeutsamen Stücke in den Handel kommen, ist selten, eher stößt man auf Souvenirs, die dann der Herkunft wegen bekanntermaßen teils absurde Preise bringen wie beispielsweise 332 500 Dollar für den Schaukelstuhl von John F. Kennedy. Nicht selten sprengen solche Ereignisse auch die Grenzen des guten Geschmacks wie etwa bei der neuntägigen Auktion des Nachlasses der Windsors 1998 bei Sotheby's, bei der aber auch nichts ausgelassen wurde.

Eingeliefert hatte ihn der Besitzer des Londoner Nobelkaufhauses Harrods' und des Hotels Ritz in Paris, Mohammed Al-Fayed, der den ganzen Hausstand des Herzogpaars en bloc zwölf Jahre vorher erworben hatte. 29 000 Dollar bezahlte ein Fan für ein inzwischen versteinertes Stück der Hochzeitstorte, 11 000 Dollar ein Bewunderer für einen Kinderlöffel zum ersten Geburtstag des Herzogs, ein Geschenk der Großmutter Königin Victoria.