Mitten in Mitte sitzt Max von Bismarck und erzählt, dass er gerade ein Unternehmen gründet. Blättert nicht in einem todsicheren Businessplan, legt keine weltweite Expansionsstrategie vor, sondern faltet die Hände auf dem Tisch. Der Berliner hat Erfahrung mit der New Economy, denn mit seinen 25 Jahren hat er schon für den erfolgreichen Internet-Marktplatz Mondus als Jurist und Lobbyist gearbeitet. Und nun will er, während fast jede Woche ein Internet-Unternehmen Pleite geht, ein neues gründen. Eine Plattform im Netz will er errichten, über die Städte und Gemeinden die Vergabe von Aufträgen elektronisch abwickeln. Kommt die Idee nicht ein bisschen spät? Ist der Gründungsboom nicht längst passé?

Zuletzt hieß es über die New Economy und ihr Börsensegment, den Neuen Markt in Frankfurt, immer wieder: Absturz - Geldvernichtung - Betrug! Jedes fünfte Unternehmen verlor 90 Prozent seines Höchstwertes. Die Finanziers des Gründerbooms, Kleinanleger und professionelle Wagniskapitalgeber, sehen sich des Traums vom schnellen Geld beraubt. Mehr als acht Milliarden Mark haben Risikofinanzierer im vergangenen Jahr in junge Unternehmen gesteckt, schätzen Experten. Weil die Geldgeber nun aber keine satten Erlöse mehr aus dem Verkauf der Anteile bei einem Börsengang bekommen, machen sie ihre Taschen zu: kein neues Kapital mehr für die Start-ups. Das war's dann wohl für die junge deutsche Gründerkultur - der Schluss liegt nahe und ist doch voreilig.

Denn die Szene lebt. Und es gibt Anzeichen, dass noch in diesem Jahr eine zweite Gründerwelle anhebt, die neue Branchen erfasst.

Auf die überschäumende Euphorie unter den etablierten Start-ups werden künftige Gründer allerdings nicht treffen. Der First Tuesday, jenes Treffen, dass als Kontaktbörse für Start-ups und Geldgeber entstand, ist zu einem gemeinsamen Bier nach Feierabend verkommen. Vor einem Jahr noch berauschten sich die Start-ups dort an ihren Ideen. Als Wolfgang Branoner, Wirtschaftssenator in der Hauptstadt, Anfang Januar den First Tuesday besuchte und den Gründern begeistert zurief: "Nirgendwo in Deutschland gründen so viele Menschen ein Unternehmen wie in Berlin!" - da erntete er nur ein müdes Lächeln. Branoner schrie ins Mikrofon, doch niemand wollte ihn hören. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen waren die Menschen mit den grünen Punkten auf ihrem Namensschild - die jungen Unternehmer - vor allem gekommen, um früher Feierabend zu haben. Freunde zu treffen. Auszuspannen. Den Organisatoren Axel Berg und Alexander Lösing war es peinlich. Sie basteln schon an einer Idee, dem First Tuesday möglichst schnell eine andere Form zu verpassen, um ihn als ernsthafte Kontaktbörse wiederzubeleben.

Viele junge Unternehmer bauen ihre Geschäftsmodelle um Der alte First Tuesday ist tot, doch ist das kein Vorbote für das Ende der Start-ups. Wer in die Hinterhöfe und Fabriketagen geht, sieht und spürt, dass die jungen Unternehmer zäher sind, als es die spektakulären Pleiten glauben machen: Sie frieren die Kosten ein, sparen an allen Ecken und bauen mit den Mitteln, die ihnen geblieben sind, ihre Geschäftsmodelle um. "Viele beginnen, ihr Wissen über die Surfer oder ihre Software zweitzuverwerten. Es geht darum, neue Umsatzquellen zu erschließen, ohne gleich ein neues Unternehmen aufzubauen", sagt Roman Zeller, Leiter E-Commerce bei der Unternehmensberatung Bain & Company.

Der Flur ist groß und leer. Das Licht kalt. Der Teppich grau. An der Wand hängen knallrote Plakate und Frisbeescheiben von vergangenen Werbeauftritten.

Dieser Bürotrakt ist eine Insel der Hoffnung in der deutschen Internet-Szene.