In Bayern hat ein BSE-Test versagt, und eine Kuh, in deren Hirn verheerende Prionen nagten, ist den Prüfern fast entwischt. Nun ist der Katzenjammer groß. "Im Rinderwahn", wähnte der Spiegel, "gehen auch die letzten Sicherheiten zu Grunde." Welche Sicherheiten? Die der Politiker, der Metzger, der Kunden oder die der Forscher? Letztere werden sich hüten, bei einem biochemischen Test von Sicherheit zu sprechen. Denn die liefern nun einmal keine schlichten Ergebnisse nach dem Motto: Test negativ = gut

Test positiv = schlecht.

Die ganz und gar medienuntaugliche Realität beginnt mit der Entnahme der Gewebeproben. Die derzeit verfügbaren Tests sind noch so unempfindlich, dass sie eine hohe Konzentration der BSE-Erreger für den sicheren Nachweis benötigen. Diese findet sich vor allem in einer Hirnstamm-Region namens Obex.

Sind dort zwar Erreger vorhanden, aber eben nicht genug, geht es wie jetzt in Bayern: Ein erster Test der Firma Bio-Rad erbrachte nichts, ein zweiter der Firma Prionics dagegen schlug an. Beim Gegencheck wurde anderes, mithin weniger prionenbelastetes Gewebe geprüft, und beide Nachweismethoden versagten. Steht damit wirklich die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit infrage?

Mitnichten. Eher lehrt der Vorfall, wie schwer die Erkenntnis fällt, dass eben auch die Wissenschaft nicht alle Unsicherheiten der modernen Welt zu beseitigen vermag. Der schwer fassbare BSE-Erreger vermiest den Medien die Show. Und auch die politischen Festsetzungen, dass eine Kuh erst infektiös sein kann, wenn sie älter als 24 oder 30 Monate ist, sind rein willkürlich.

Es sind schon BSE-Rinder aufgefallen, die nur 20 Monate alt waren. Und niemand weiß, wie viele Prionen ein Mensch konsumieren muss, bis ihn vielleicht die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit heimsucht.

Ess-Ratgeber und Verbraucherkommissare, die in dieser Situation suggerieren, ein Test an der richtigen Stelle werde die Sache schon richten, handeln fahrlässig.