Auch der letzten Pappnase war klar, dass die ARD mit ihrem närrischen Rückblick den Kürzeren ziehen würde. Gerade 3,6 Millionen Zuschauer interessierten sich vergangenen Samstag für das Jubiläum von Mainz, wie es singt und lacht. 15,5 Millionen wollten dagegen den Hofnarren Thomas Gottschalk in ihr Wohnzimmer reinlassen. Jürgen von der Lippe war mit seiner Show gleich auf den Freitag ausgewichen. Während Geld oder Liebe im Juni zum letzten Mal läuft, denkt bei Wetten, dass ...? keiner ans Aufhören. Hoch die Gläser mit dem Kräuterschnaps, den der Lkw am vergangenen Samstag eingeschenkt hat: Die wichtigste ZDF-Sendung wird am 14. Februar 20 Jahre alt.

Offiziell gefeiert wird am 17. März. Dann wird Thomas Gottschalk zunächst aus Dornbirn ein Wetten, dass ...? präsentieren, zu dem so viele erlesene Gäste geladen sind wie nie zuvor: Elton John und Rod Stewart bringen ein Ständchen, womöglich erscheint sogar Michael Jackson

Peter Ustinov wird auf der Couch sitzen, ungewiss ist noch, ob Bill Clinton sich dazugesellt. Das Aktuelle Sportstudio sendet danach ebenfalls aus der Halle, bevor um 23 Uhr - so jedenfalls der Sendeplan - das Duo Gottschalk/Elstner eine Best-of-Show zelebriert. Wer um 1 Uhr noch wach ist, bekommt schließlich einen Zusammenschnitt mit Höhepunkten aus 20 Jahren serviert.

Für die "FR" war Elstner ein "unbedarfter Big Brother"

Dabei wird es einiges zu schmunzeln geben. Vor allem, wenn man in die erste Sendung vom 14. Februar 1981 reinschaut. Im Pepitasakko, mit getönter Brille und sichtlich angespannt begrüßte der 39-jährige Frank Elstner die Zuschauer und erklärte die Spielregeln. Jeder Gast musste bei jeder Wette tippen, wie sie ausgeht. Dafür gab es Punkte. Je nach Spielstand fuhren die Sessel der Gäste nach oben. Frank Elstner erinnert sich daran nur ungern: "Dass wir das ändern mussten, merkte ich spätestens, als Curd Jürgens über mir schwebte und kein richtiges Gespräch mehr möglich war." Zum Spiel gehörte zudem ein goldener Schuss wie einst bei Onkel Lou. Am Ende erhielten die Gäste noch Schlüssel, die mit etwas Glück einen Tresor öffnen konnten. Die Sendung zog sich hin. Regisseur Alexander Arnz mied danach sogar die Premierenfeier. Er war sich sicher, dass das ZDF mit der Show einen Riesenflop gelandet hatte.

Die Reaktionen der Presse waren geteilt. Die Bunte fand die neue Show "spannend, spritzig und stimmungsgeladen". Die FAZ hingegen mäkelte ob des Aufwands: "Ein gieriger Zuschauer soll bedient werden, der sich am Monströsen ergötzt und alles sofort haben will." Für die Frankfurter Rundschau war Elstner ein "unbedarfter Big Brother" - vor 20 Jahren galt ein Showmaster offenbar schon als großer Manipulator, wenn man die Menschen dazu an stachelte, Blumensträuße in die Düsseldorfer Halle zu bringen.

Schon bald gehörte die Sendung zu den beliebtesten der TV-Republik. Der seriös wirkende Elstner behandelte seine Gäste stets fair und beherrschte die Kunst, im richtigen Moment das Richtige zu sagen. Wie 1984, als zu dem geladenen Gast, dem österreichischen Bundeskanzler Fred Sinowatz, eine Gruppe ungebetener Gäste hinzustieß: Demonstranten, die gegen ein Kraftwerk in den Donauauen protestierten. Ordner wollten die Störenfriede von der Bühne zerren. Elstner stoppte sie: "In meiner Sendung wird keiner rausgeschmissen!"