Was wünscht sich die Wall Street eigentlich vom frisch gekürten US-Präsidenten George W. Bush? Eine florierende Wirtschaft - klar! Rentable Unternehmen - wollen wir wetten! Auf jeden Fall weniger Vorschriften.

Niedrigere Steuern. Und vor allem eifrige Aktienkäufer.

Gut möglich, dass kaum einer dieser Wünsche in Erfüllung gehen wird. Seit den Wahlen haben sich die Börsenkurse, milde gesagt, sprunghaft entwickelt.

Wirklich beunruhigend jedoch ist, dass all die pessimistischen Prognosen von Tag zu Tag glaubhafter werden.

Erstens gibt es inzwischen keinen Zweifel mehr daran, dass die Konjunktur abflacht. Die Produktion ist im vergangenen Quartal Monat für Monat stark zurückgegangen. Und die Tendenz ist weiterhin fallend. Das liegt daran, dass in den vergangenen zehn Jahren die Expansion weitgehend von Investitionen angetrieben wurde. Die Errichtung von Geschäftsgebäuden ist zwar diesmal nicht so üppig ausgefallen wie der Bauboom vor zehn Jahren, der dann prompt zur Rezession führte. Dennoch wird es einige Zeit dauern, bis die Kapazitäten dem wahren Bedarf angepasst worden sind. Sprich, die Investitionsnachfrage wird weiterhin niedrig bleiben.

Zweitens wird voraussichtlich auch die Konsumnachfrage sinken. Die amerikanischen Einzelhändler sind verschuldet, und nicht wenige werden Konkurs anmelden müssen. Die kalifornischen Stromerzeuger gehen zu Bruch. Das Breitbandnetz, das gerade von ehrgeizigen Telekommunikationsfirmen aufgebaut wird, lässt sich kaum verkaufen. Das alles verunsichert die Verbraucher, was erfahrungsgemäß einen Nachfragerückgang zur Folge hat. Zwar könnten die Exporte dies kompensieren. Nur werden sie durch den immer noch hohen Dollar und den drohenden Rückschlag in Asien behindert.

Drittens ist die Inflation noch nicht außer Sichtweite. Die Öl- und Erdgaspreise werden mit ziemlicher Sicherheit auf hohem Niveau bleiben und die Budgets von Haushalt und Unternehmen belasten. Dadurch gibt es weniger frei verfügbares Geld für Investitionen.