Zum Jahresbeginn ist die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern einheitlich auf 6525 Mark erhöht worden. Entsprechend gestiegen sind die Höchstbeiträge zur Krankenkasse: in Westdeutschland von 870,76 auf 880,87 Mark, in Ostdeutschland von 740,18 auf 906,97 Mark. Hinzu kommt noch der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung in Höhe von 110,92 Mark.

Für viele junge Besserverdiener mit einem Gehalt oberhalb der neuen Beitragsbemessungsgrenze erscheint es deshalb verlockend, von der gesetzlichen zu einer privaten Krankenversicherung zu wechseln. Wer schon privat versichert war, nun aber weniger als die neue Bemessungsgrenze verdient, kann die Versicherungspflicht vermeiden, wenn er seiner Kasse bis spätestens 2. April kündigt.

Allerdings: Wer jetzt den Umstieg plant, muss wissen, dass eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung später meist schwierig und für all diejenigen, die älter als 55 Jahre sind, sogar unmöglich ist. Hinzu kommt: Ein 33-jähriger Arbeitnehmer etwa mit einem monatlichen Einkommen von 6525 Mark, der beispielsweise zur Vereinten Krankenversicherung wechselt, kann zwar mehr als 300 Mark im Monat an Beiträgen sparen. Und für einen gleichaltrigen Selbstständigen, der keinen Arbeitgeberzuschuss erhält, reduziert sich die Beitragslast sogar um das Doppelte. Doch dieser Kostenvorteil der privaten Versicherung gilt vor allem für junge, alleinstehende Versicherte.

Anders als bei den gesetzlichen Kassen wird die Prämie einer privaten Krankenversicherung nicht in Prozent vom Bruttogehalt berechnet, sondern einzig ausschlaggebend sind Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand. Und während Familienangehörige, das heißt Ehepartner und Kinder mit keinem oder nur geringem Verdienst, in der gesetzlichen Krankenkasse automatisch ohne Aufpreis mitversichert sind, muss bei den Privatversicherern für jedes Familienmitglied eine eigene Versicherung abgeschlossen werden. Selbst Neugeborene sind nur in ihren ersten sechs Wochen bei der Mutter mitversichert. Für Familien mit nur einem Verdiener ist eine Privatversicherung daher meist teurer als eine gesetzliche Krankenversicherung.

Was viele Wechselwillige ebenfalls nicht wissen: Privatpatienten genießen zwar meist den Luxus des Ein- oder Zweibettzimmers, der Chefarztbehandlung und der freien Arzt- sowie Klinikwahl. Doch davon abgesehen, ist das Leistungsspektrum der gesetzlichen Kassen in vielen Fällen weit umfangreicher als das der privaten Anbieter.

So offerieren die meisten privaten Krankenversicherungen deutlich schlechtere Leistungen, wenn es um eine Psychotherapie geht. Sie erstatten die Kosten nur, wenn der Kunde dazu einen Arzt in Anspruch nimmt. Kassenpatienten dagegen können auch zu einem Diplompsychologen gehen. Bezahlt werden zudem von den Privaten nur 30 Sitzungen, während die gesetzlichen Kassen bis zu 100 Sitzungen zahlen.

Eine böse Überraschung erlebt, wer eine Kur braucht. Private Versicherungen kommen nicht für Kur- oder Sanatoriumsbehandlungen, Rehamaßnahmen oder ambulante Heilbehandlungen in einem Heilbad oder Kurort auf. Der Kunde hat allenfalls die Möglichkeit, eine Kurtagegeldversicherung abzuschließen - gegen Extraprämie. Die gesetzlichen Krankenkassen haben diese Leistungen dagegen - wenn auch in abgespeckter Version - noch immer in ihrem Katalog.