Paradoxe Signale aus dem Vatikan, logisch und widersprüchlich zugleich: Das gilt zum einen für die jüngsten Kardinalsernennungen, zum anderen für den Limburger Bischof Franz Kamphaus und sein Verbleiben im staatlichen System der Konfliktberatung für Schwangere.

Die Kardinäle: Einerseits ist wieder einmal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, übergangen worden. Inzwischen kann man sich fragen, was schwerer wiegt - die Zurücksetzung für Lehmann persönlich oder die institutionelle Kritik an der Gesamtheit der Bischöfe, die ihn sich wiederum zum Vorsitzenden gewählt hatten. Bleiben wird die Verwunderung darüber, wie demütigend die katholische Kirche mit ihren Besten umspringen kann. Anderseits wurde der als liberal eingestufte Bischof Walter Kasper (vormals Rottenburg-Stuttgart, jetzt Rom) zum Kardinal ernannt (nachdem ihm zuvor schon ein ebenso liberaler Nachfolger ins Schwäbische gesetzt worden war). Doch nicht der Purpur war die Überraschung

er hing mit der in Aussicht genommenen Funktion als Präsident des vatikanischen Rates für die Einheit der Christen fast zwangsläufig zusammen. Überraschend war, dass Kasper vor Jahresfrist überhaupt nach Rom gerufen wurde, wie ein deutsches Gegengewicht zu dem Deutschen Ratzinger - der den auch ökumenisch aufgeschlossenen Schwaben freilich nun bei jeder Gelegenheit öffentlich in die Schranken zu weisen versucht.

Der Bischof: Einerseits bleibt Limburg in der Konfliktberatung, und Franz Kamphaus wird nicht gemaßregelt, was übrigens kirchenrechtlich und politisch gar nicht so einfach gewesen wäre. Andererseits handelt es sich in Wirklichkeit nur um ein Moratorium für ein Jahr. Danach werde endgültig entschieden. Kamphaus erhält aber die Chance, dann konkret darzutun, wie sehr sich sein Vorgehen in der Praxis bewährt hat. Einerseits also eine letzte Frist für den seelsorgerisch so tapferen Kamphaus und seine Beraterinnen - andererseits aber auch eine Beschämung für seine Brüder im Amte, die im Konflikt mit dem Papst weniger standhaft geblieben sind.

Freilich bleibt immer die Frage: Von wann an schlägt Quantität (ein Bischof, viele Bischöfe ...) in Qualität um? Aber auch die Einsicht: Die Qualität liegt nicht immer bei der Quantität.