Beim deutsch-französischen Minigipfel am 31. Januar in Straßburg steht wieder einmal die schwierige Partnerschaft auf dem Programm - und damit auch die Zukunft Europas. Seit Monaten schon schweigt die französische Regierung zornig zu allem, was die Deutschen sagen. Bereits die Rede des deutschen Außenministers "als Privatmann" vor Studenten der Humboldt-Universität, in der er seine Visionen einer "Föderation der Nationalstaaten" entwickelte, hatte die Franzosen verärgert.

Jetzt ist es noch schlimmer gekommen: Gerhard Schröder hat ganz offiziell, als Bundeskanzler, mehr Tempo in der europäischen Einigungspolitik verlangt und eine Verfassung für die Union gefordert, die Frankreich eigentlich gar nicht will. Außerdem: Die deutsch-französischen Beziehungen, mahnte der Kanzler, müssten neu definiert werden.

Drei Tage lang kam dazu kein Wort aus Paris. Dann folgte ein eiskalter offizieller Kommentar, der weder eine eigene Linie noch den Ansatz zu einem gemeinsamen Vorhaben für Europa erkennen ließ. Premierminister Lionel Jospin gibt Rätsel auf: Er weiß, dass er am Zug ist, aber er rührt sich nicht. J.H.