Die ganze Welt ist Bühne." Shakespeares Satz kam 400 Jahre zu früh.

Fischer und Trittin stehen im heißen Lichtkegel und deklamieren zögerlich ihre Unschuld. Hinter ihnen wogt der Medienchor, der erklärt, verklärt oder verdammt. Und vor ihnen sitzt das Publikum - erschreckt, ergrimmt, doch auf jeden Fall dem Entertainment zugetan.

Es läuft das Drama "Dritte Vergangenheitsbewältigung" (nach Nazi- und Stasi-). Postmoderne Politik, in Deutschland, Frankreich, Amerika, überall im Westen, ist ohne das alte ideologische Korsett, das die Komplexität so hübsch eingeschnürt hat, zum Event geworden. Wer außer Riester, und der würde übertreiben, kann behaupten, dass er die Rentenreform wirklich versteht? Was kompliziert ist, muss wenigstens unterhaltsam sein. Politik als Inszenierung: Da ist es nur konsequent, wenn Westerwelle im Container blödelt und Scharping bei Biolek Händchen hält. So schlicht war es noch nie.

Politik als Ersatzhandlung: Dazu gehört auch das Autodafé der Minister Fischer und Trittin als TV-Serie. Es wäre besser gewesen, wenn die beiden schon beim Regierungsantritt 1998 nicht bloß den Anzug gewechselt, sondern auch das Kokettieren mit ihrer Vergangenheit beendet hätten - zumal ihre Partei in den Anfängen auch Sozialisierungsanstalt für Feinde des angeblichen "Schweinestaats" gewesen ist. Aber so funktioniert Politik nicht - auch nicht anderswo. Nixon wäre in der Watergate-Affäre nicht geschasst, Clinton wegen "Monicagate" nicht ins Impeachment geschlittert, wenn sie gleich die ganze Wahrheit gesagt hätten. Politiker sind wie Kinder vor der Mutter: Mal sehen, wie weit man mit der halben Wahrheit kommt.

Das rächt sich immer

die Medien gieren nach der nächsten Enthüllung, die Opposition liefert sie gern. Folglich Auftritt CDU/CSU und FDP. Denken die Älteren unter uns an deren Vergangenheitsbewältigung - immerhin hat die Union nach 1949 zwanzig Jahre lang regiert -, fallen ihnen alsgleich viele weiße, genauer: hässliche braune, Flecken ins Auge. Hans Globke, Adenauers protegierter Staatssekretär, der die Nürnberger Gesetze wohlwollend kommentiert hatte, steht als Pars pro Toto für einen Justiz-, Beamten- und Professorenapparat, der nicht einmal Einsicht, geschweige denn Reue gezeigt hat. Aber nicht ums Aufrechnen geht es, den billigsten rhetorischen Trick, sondern um die Inszenierung postmoderner Politik.

Darin ist Schröder der Meister, der Muhammad Ali des Event-Management.