Stockholm

Gewiss ist der Schwede Göran Persson der einzige Ministerpräsident in Europa, der Auschwitz und seine Bedeutung für die Menschheit insgesamt zu seinem persönlichen Thema gemacht hat. Seine Landsleute, Freunde und Gegner, hatte das zunächst zwar ein wenig gewundert. Einige unterstellten ihm, er wollte sich damit nur profilieren, wirklich interessieren würde ihn das nicht.

Aber es sieht ganz danach aus, als täte man dem Mann damit Unrecht. Am kommenden Montag eröffnet er in Stockholm die erste Folgekonferenz ("Kampf gegen Intoleranz") des im vergangenen Jahr von ihm ins Leben gerufenen Projekts zur wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus. Im Gespräch gewinnt man den Eindruck, dass dies für ihn mehr ist als die PR-Idee eines Gutmenschen. Nicht nur die Aktivitäten rechtsextremistischer Gewalttäter in Schweden beschäftigen ihn.

"Dieses Thema ist für ganz Europa von zentraler Bedeutung", sagt Persson.

"Xenophobie und Antisemitismus sind enorm gefährlich." Sie sind nicht zuletzt, das weiß der sozialdemokratische Pragmatiker, der Stoff, aus dem die Rechte ihre Waffen schmiedet.

Im Übrigen ist Göran Persson ein nüchterner Mann. Ein Rechner mit Sinn für Macht und für das Machbare. So wurde er, betrachtet man seine bisherigen fünf Jahre an der Regierungsspitze, ein recht erfolgreicher Ministerpräsident. Mit Stolz verweist er auf Schwedens Wachstumsraten und den Haushaltsüberschuss.

Die EU-Präsidentschaft Schwedens hat Persson, ein Mann mit schwerem Tritt und festem Händedruck, zum Jahreswechsel daher auch mit Selbstbewusstsein angetreten.