TINA - "there is no alternative". Das sagen und hören sie gern beim World Economic Forum: Es gibt keine Alternative zur Globalisierung. Zu Freihandel und internationalem Wettbewerb, weltumspannenden Finanzmärkten und neuem Unternehmertum, Computer- und Biorevolution.

Diese Woche versammeln sich die Könige des Kapitals in Davos zum Jahrestreffen. Sie feiern sich und ihre Besten, der Rest der Welt darf nicht rein, und draußen vor der Tür fällt es schwer zuzugeben: Die Davoser Botschaft stimmt. Die globale Marktwirtschaft ist die beste Chance für den Wohlstand der Nationen. Wie sonst sollten die Bürger der unterschiedlichsten Länder am Reichtum von Information und Innovation teilhaben, wie könnten sie ihre Stärken verwerten und die eigenen Grenzen weiter stecken?

Nicht, dass die Diskutanten von Davos mehr wüssten als der Rest der Welt. Sie folgen den Moden des Winters so brav wie die Snowboarder in der Röhre. Vor der Asienkrise ließen sie die asiatischen Tiger hochleben

dann rühmten sie die Konzernchefs, die sich als Jäger des verlorenen Shareholder-Value stilisierten. Im vergangenen Jahr feierten sie die jungen Internet-Unternehmer. Nach deren Kurskatastrophe an der Börse werden wieder diejenigen gehört, die - egal ob Old oder New Economy - nachhaltige Gewinne erwarten lassen.

Die Konjunktur schwankt auch in Davos, nicht aber die Grundhaltung: Offenheit für Mitglieder aller Kulturen und für zukunftsweisende Entwicklungen, seien sie technisch oder gesellschaftlich. Zum Forum kamen schon NGOs, als Premiers und Präsidenten dieses Kürzel noch nicht kannten. Heute nehmen Vertreter führender Non-Governmental Organisations wie zum Beispiel Greenpeace teil

andere wollen als "öffentliches Auge" dafür sorgen, dass auch die Interessen der Benachteiligten respektiert werden - und Dritte organisieren den Protest vor der Tür.

Die Protestler täuschen sich. Wogegen wollen sie demonstrieren? Gegen den Dialog von Unternehmern, Politikern und Bürgervertretern? Die Globalwirtschaft wird und soll sich weiterausbreiten. Dafür braucht sie Stabilisatoren. Die schaffen nicht Weltbehörden und Staatskartelle