Unentwegtes Aktenstudium, teilte Rudolf Scharping kürzlich der Fernsehnation mit, kann einen Minister ganz grau und staubig werden lassen.

Deshalb wolle er sich jetzt auch wieder verstärkt privaten Interessen zuwenden. Das wurde missverstanden. Und so sah sich der Verteidigungsminister schnell gezwungen, seine Einschätzung zu präzisieren: Auch die "Gespräche und Kontakte" bei Truppenbesuchen seien hilfreich, um das Einstauben zu verhindern. Sprach's und reiste auf den Balkan, um den dort stationierten deutschen Soldaten alle Ängste über eine etwaige Gesundheitsgefährdung durch uranhaltige Munition zu nehmen.

Doch die Soldaten scheinen - wie ihr Minister - nicht allzu sehr beunruhigt.

Es gibt eben keine wissenschaftlichen Beweise für eine tatsächliche Gefährdung. Beunruhigt sind dagegen die Mütter der Soldaten und die Medien.

Und weil sich Rudolf Scharping als Verteidigungsminister nicht nur für die Gesundheit der ihm Unterstellten, sondern als moderner Politiker auch für die "Sensibilitäten und Emotionen" der Öffentlichkeit zuständig weiß, agiert er seit Tagen geradezu virtuos auf unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen. Auf der einen ist die umstrittene Munition völlig ungefährlich, auf der anderen soll sie so bald als möglich verboten werden. Einmal ist die alltägliche Strahlenbelastung, der wir alle ausgesetzt sind, viel höher, als es die der Urangeschosse je sein könnte, andererseits wurden und werden alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, die Soldaten vor einer Gefährdung zu schützen. Es handelt sich eben nicht um eine wirklich bedrohliche, sondern lediglich um eine "emotional problematische" Munition, erläutert Scharping.

Solche Tänze allerdings könnten - nicht für die Soldaten, wohl aber für ihren Minister - irgendwann wirklich problematisch werden. Auch gut, mag sich der lebensfrohe Scharping denken. Die Angst vor dem Ergrauen im Amt wäre für immer gebannt.