Ein Formel-1-Wagen vermittelt die Werbebotschaft: Die Deutsche Börse geht selbst an die Börse. Hellblau prangt die Silhouette des PS-Boliden auf ganzseitigen Anzeigen. "Mit unserem Speed würden wir nie zu einem Grand Prix zugelassen werden. Einseitige Rennen sind schlecht fürs Geschäft", ist dort zu lesen. Am 5. Februar springt die Startampel auf Grün, dann werden die Anteile der Deutschen Börse gehandelt wie die von Post, Telekom oder Infineon. Doch der Wettbewerb der europäischen Kapitalmarktplätze wird für sie keineswegs ein einseitiges Rennen.

Das Tempo des Börsengangs kann mit der Werbebotschaft jedenfalls nicht gemeint sein. Diesen hatte die Deutsche Börse bereits im Frühjahr vergangenen Jahres geplant. Ein Fehlstart, denn die - am Ende vergeblichen - Bemühungen um eine Fusion mit der Londoner Börse kamen dazwischen. Und auch jetzt sind die Deutschen keineswegs allein auf der Rennstrecke. Die schwedische Betreibergesellschaft OM Gruppen ist bereits notiert, die Londoner Börse ebenso. Und Konkurrent Euronext - eine Allianz der Handelsplätze Paris, Amsterdam und Brüssel - will seine Aktien im Mai der Öffentlichkeit anbieten.

Europas Börsen kämpfen um ihre Zukunft. Nur wer die meisten Wertpapiergeschäfte auf seinen Computern abwickelt, bekommt die nötige Liquidität, um den Preis für einzelne Geschäfte zu drücken. Und nur das interessiert Banken und andere Aktienhändler, die ihre europäischen Aufträge mal nach Frankfurt, mal nach Paris oder London geben. Nach dem Börsengang kann die Deutsche Börse ihre Anteile als Tauschwährung nutzen, um die Betreiber anderer Handelsplätze zu übernehmen. "Viel Zeit dazu ist nicht mehr", sagt Wolfgang Gerke. Er ist Mitglied der Börsensachverständigen-Kommission, die sich im Auftrag des Bundesfinanzministers mit der Zukunft der Börse beschäftigt. Gerke schätzt, dass Konkurrent Euronext zusammen mit den Handelsplätzen New York und Tokyo schon in einem Jahr einen weltweiten Aktienhandel startet - rund um die Uhr.

"Dann werden sie einen Großteil der Liquidität an sich ziehen", prognostiziert Gerke.

Die Deutschen müssen eine feindliche Übernahme fürchten

Die Deutschen müssen sich schnell nach Partnern umsehen. Italiener und Spanier wären noch frei. Auch mit den Briten könnte Börsenchef Werner Seifert bald wieder reden, meint Gerke. Derzeit fordern die Frankfurter von London noch zehn Millionen Euro Vertragsstrafe, weil diese die Fusionsbemühungen im vergangenen Jahr haben scheitern lassen. "Taktisches Geplänkel", sagt Gerke.

"Die Frage, ob London dadurch verprellt ist, wird völlig überbewertet."