Die Manager von international breit anlegenden Aktienfonds vertrauen darauf, dass sich die Börsen in den Vereinigten Staaten demnächst wieder erholen. Das bestätigten 18 Fondsgesellschaften, die das Münchner Forschungsinstitut Südprojekt für die ZEIT befragt hat. Beim Vergleich der vergangenen Monate zeigt sich, dass sich der Abfluss des in US-Aktien investierten Geldes verlangsamt hat (siehe Grafik). Im Dezember waren knapp 44 Prozent des Fondsvermögens der befragten Investmentgesellschaften dort angelegt.

Nach Ansicht von Michael Neppert, einem Fondsmanager des Deutschen Investment-Trusts, könnte der Mittelabfluss bald ganz aufhören. Nämlich sobald klar werde, dass die USA nicht in eine Rezession rutschen. Die dortige Wirtschaft werde weiter wachsen, allerdings moderater. Neppert managt für die Investmenttochter der Dresdner Bank den Aktienfonds Interglobal. Im Jahresvergleich liegt dieser mit rund 15 Prozent im Minus.

Tatsächlich ist die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2000 langsamer gewachsen. Zwar stieg das Bruttoinlandsprodukt weiter - allerdings nicht um 5,7 Prozent wie in den ersten sechs Monaten des Jahres, sondern nur um 4,5 Prozent. Für das kommende Jahr erwarten die Volkswirte der Privatbank Delbrück "immer noch ein ordentliches Wachstum". Verantwortlich für den jüngsten Rückgang war vor allem der gestiegene Ölpreis. Weil Heizöl und Benzin teurer wurden, lebten Privatleute sparsamer. Unternehmen litten unter höheren Produktionskosten - das drückte die Gewinne.

Auf eine positive Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte setzt auch Harald Staudinger. Er arbeitet für die Activest, die Fondsgesellschaft der HypoVereinsbank. "Wir gehen im laufenden Jahr von einer weichen Landung der US-Konjunktur aus", sagt er. Zu erwarten seien weitere Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed, welche die Aktienmärkte stabilisieren werden.

Staudinger gehört zum Management des Activest Top Welt. In den vergangenen zwölf Monaten hat dieser Fonds um etwa fünf Prozent zugelegt.

Technologie- und Telekommunikationswerte würden demnächst wieder interessant werden, schätzt Staudinger. In seinem Fonds hat er diese Branchen bereits im Dezember aufgestockt. "In den aktuellen Kursen sind viele negative Nachrichten schon vorweggenommen", sagt er.

In den vergangenen Monaten waren diese Werte wegen schlechter Ertragslage stark gefallen. Doch im laufenden Jahr werden die Gewinne in der Technologiebranche wieder deutlich steigen, vermutet die österreichische Creditanstalt. So schlecht, wie man denkt, sei die Lage gar nicht. Der US-Aktienmarkt müsse "nur wieder Vertrauen finden und über die aktuelle Delle hinausblicken".