Die Galápagos-Inseln, dieses weltweit einzigartige Reservat und Weltkulturerbe der Menschheit, droht nach dem Tankerunglück vom 16. Januar langfristig Schaden zu nehmen. Zwar wird die bisher größte Umweltkatastrophe das ecuadorianische Inselparadies nicht zerstören, doch die im Wesentlichen von Tourismus und Fischerei lebenden 15 000 Menschen auf den fünf bewohnten Inseln rechnen mit erheblichen Einbußen.

An jenem Januarabend gegen neun Uhr verwechselte der Kapitän des ecuadorianischen Tankschiffes Jessica eine Leuchtboje in der Hafeneinfahrt der Provinzhauptstadt Puerto Baquerizo Moreno und setzte den veralteten und nicht versicherten Tanker auf ein Felsenriff der Insel San Cristóbal. Die Jessica verlor ihre Fracht von 600 Tonnen Diesel und über 300 Tonnen des schweröligen Ifo-Treibstoffs fast vollends.

Die umweltgefährliche Ifo-Ladung war bestimmt für das Kreuzfahrtschiff Galápagos Explorer II, das diesen Billigtreibstoff als einziges Galápagos-Schiff noch verwendet. In ihrer Schiffsklasse für 100 Passagiere und etwa 60 Crew-Mitglieder ist die Explorer ohnehin seit Jahren eines der umstrittensten Gefährte im "Labor der Evolution", wie Charles Darwin die über 120 kleinen und großen Inseln seinerzeit beschrieb. Kurioserweise erhielt die Explorer für ihre Umweltverträglichkeit noch im Jahr 2000 das Ökosiegel Smart Voyager von der Organisation Rainforest Alliance.

Für Ecuador, das ärmste Land Südamerikas, ist der Tourismus nach dem Export von Erdöl, Bananen und Shrimps die Haupteinnahmequelle. Und die 1000 Kilometer vor der Küste liegenden Galápagos sind das Reiseziel für mittlerweile mehr als 100 000 Touristen im Jahr. Das Nationalparkgebiet umfasst 94 Prozent der insgesamt 7800 Quadratkilometer messenden Inseln, zuzüglich des riesigen Meeresreservats.

Die mehrtägigen Galápagos-Touren werden weltweit vorbildlich und naturkundlich meist professionell geführt. Die Inselbewohner kritisieren hingegen, dass die Einnahmen allein auf den Vollpensionsschiffen und in den Agenturen auf dem Festland bleiben. Gerade große Schiffe besuchen allenfalls die Forschungsstation in der touristischen Hauptstadt Puerto Ayora zu einem kurzen Landgang. Im Moment haben 95 Schiffe mit Platz für mehr als 10 Passagiere eine Tourismuslizenz.

Die nun auf mehreren tausend Quadratkilometern treibenden Öl- und Treibstoffteppiche verschmutzen Teile der Strände und vulkanischen Felsküsten. Ölverschmierte Pelikane und Seelöwen mit Augeninfektionen sind erste Boten des sich ausbreitenden ökologischen Desasters. Mittel- und langfristig dürfte vor allem das Meeresreservat unter dem Tankerunglück leiden. Der Diesel verdunste zwar allmählich, aber die schweren Ölanteile werden erfahrungsgemäß absinken, wie der Zoologe Friedemann Köster prognostiziert. Besonders betroffen von dem Unglück sind bisher die östlichen Gewässer um San Cristóbal, von wo die Umweltgifte in Richtung Westen bereits die Küsten von Santa Fé und Santa Cruz erreicht haben. Einige Besucherplätze mussten gesperrt werden.

Das Tankerunglück von Galápagos hat bei weitem nicht die Dimension etwa der Exxon Valdez-Katastrophe, aber sie trifft einen der spektakulärsten und sensibelsten Lebensräume unseres Planeten. "Das ist ein langfristiges Desaster. Ohne Zweifel wird es im Tourismus harte Rückschläge geben", glaubt Etienne Debacker, ein belgischer Naturführer, der seit 1982 hier arbeitet. Bisher habe es seines Wissens noch keine Stornierungen gegeben, "aber in wenigen Monaten spüren wir die Konsequenzen".