DIE ZEIT: In Deutschland sollen 400 000 Rinder geschlachtet werden, angeblich, um Sicherheit wegen BSE zu schaffen. Sehen Sie darin ein ethisches Problem?

PETER SINGER: Nicht wirklich, denn diese Tiere sollten ohnehin geschlachtet werden.

ZEIT: Aber doch aus guten Gründen: damit sie zu Fleisch verarbeitet werden.

SINGER: Wieso soll das ein guter Grund sein? Ein Rechtfertigungsgrund für die Schlachtung von Rindern würde existieren, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe, sich gesund zu ernähren, oder wenn man bei Ihnen unter akutem Proteinmangel leiden würde - aber doch nicht in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland.

ZEIT: Die Schlachtung dient letztlich nur dazu, den Markt zu stabilisieren.

SINGER: Dadurch wird sie keinen Deut unethischer. Auch ohne BSE hätten die Tiere nur für den Markt gelebt, in Massentierhaltung, gefüttert mit unnatürlicher Nahrung, würdelos. Nein, sobald Sie damit angefangen haben, in einem Tier bloß irgendein Ding zu sehen, das Sie verbrauchen dürfen, haben Sie ihm bereits die Würde abgesprochen.

ZEIT: Welche Voraussetzung muss ein Lebewesen haben, um eine unantastbare Würde zu besitzen?