Washington pocht gerne auf die Wiener Konvention, wenn etwa ein Amerikaner im Libanon oder in Russland vor Gericht gestellt wird. Doch dass auch dem Deutschen Apelt solcher Beistand nützlich gewesen wäre, um wenigstens die im amerikanischen Verfahren geforderte "Waffengleichheit" herzustellen, zeigt sein Prozess überdeutlich. Im Prozess dolmetschte eine Frau, eine Heidrun Gillespie, deren Qualifikation vor allem darin bestand, zum Bekanntenkreis des Richters Robert Bean zu gehören. Frau Gillespie hatte im Übrigen zugegeben, sie "verstehe keine Rechtsterminologie".

Rudi Apelt wurde des Mordes an Cindy Monkman für schuldig befunden. Sein jüngerer Bruder Michael, ebenfalls zum Tode verurteilt, hatte die junge Frau im Oktober 1988 in einer Bar in der Stadt Mesa kennen gelernt. Sie heirateten wenige Tage später in Las Vegas und schlossen eine Lebensversicherung über 300 000 Dollar für Cynthia ab. Die Police wurde am 22. Dezember 1988 von der Banner Life Insurance ausgestellt. Am 23. Dezember unternahmen Michael und Rudi Apelt mit Cynthia Monkman einen Ausflug in die Wüste. Mit von der Partie war Anke Dorn, eine Freundin Michaels. Er hatte ihr angekündigt, dass er "reich sein werde, falls Cindy stirbt". Sie starb an jenem 23. Dezember. Ihr wurde die Kehle durchschnitten.

Im Prozess sagte Anke Dorn als Kronzeugin gegen die Brüder aus. Ihr wurde dafür völlige Straffreiheit zugesichert. Sie belastete Michael Apelt schwer, Rudi Apelt habe dagegen weder ein Messer noch blutige Hände gehabt. Doch Rudi Apelt wurde ein von seinem damaligen Verteidiger bestellter Gutachter zum Verhängnis. Dieser, der Pathologe Vincent DiMaio, befand überraschend, dass Cynthia Monkman von einem einzelnen Messerstecher getötet worden war und dass dieser ein Rechtshänder gewesen sein muss. Michael Apelt ist Linkshänder, Rudi Apelt Rechtshänder. Die Geschworenen ließen sich von DiMaios fragwürdiger Beweisführung überzeugen, schließlich hatte die Verteidigung ihn aufgerufen.

Dieser Tage gaben mehrere angesehene amerikanische Juristen die Ergebnisse einer Studie über die Todesstrafe heraus. Sie hatten 4578 Urteile im Zeitraum 1973 bis 1995 analysiert. Die Experten fanden eine Fehlerquote von 68 Prozent: "In anderen Worten, Gerichte (also höhere Instanzen - d. Red.)

fanden ernste Fehler in beinahe sieben von zehn Urteilen bei Kapitalverbrechen." Und noch eine Zahl: In bis zu 90 Prozent der Fälle wird das Todesurteil revidiert, wenn die Angelegenheit abermals erörtert wird.

Aber dazu muss es erst einmal kommen.

Gerade da setzen die Befürworter der Todesstrafe an: Sie wollen das Recht auf Berufung verkürzen. Die Wahl von George W. Bush war für sie ein Sieg. Und Pech für Rudi Apelt. Dale Baich prophezeit: "Bush wird niemanden zum Bundesrichter ernennen, der auch nur einmal Mitgefühl für einen Todeskandidaten gezeigt hat."