Frauen im Krimi: nicht als schöne Leichen oder diabolische Giftmischerinnen, sondern als Kommissarinnen - das ist ein schmerzhaftes Kapitel deutscher TV-Geschichte. Irgendwann wusste man: sie werden gebraucht. Die Wirklichkeit hat sie schon, und die TV-Zuschauerinnen wollen auch mal einen weiblichen Star, der schießt. Dann ging's los mit lauter Lady-Cops im Minirock und auf Pumps, die beim Showdown stolperten. Und der Assistent durfte eins der letzten Reservate männlicher Überlegenheit verteidigen. Bis Bella Block mit dem Quatsch aufräumte. Und natürlich Lena Odenthal, die erste echte Amazone des deutschen Krimis. Ihr kaufte man den Bullen ab, sie stieß die Tür für das Mädel mit der Knarre endgültig auf.

Hindurchgetreten sind Sabrina Nikolaidou und Ellen Ludwig - Ermittlerinnen gleich im Doppelpack

die Dunkle (gespielt von Regina Pajanou) burschikos im Lederblouson auf dem heißen Ofen, die blonde Ellen (Petra Kleinert) eher mütterlich mit stabiler Bodenhaftung. Hätte man gedacht, dass so ein Tandem funktioniert? Inzwischen haben die zwei vom Hamburger Kiez einem Haufen Täter das Handwerk gelegt, der Doppelte Einsatz ist preisgekrönt, und die Schauspielerinnen haben ein völlig neues Rollenprofil im Serienkrimi durchgesetzt. Sie stellen Frauen dar, die Mörder jagen und diese Arbeit ziemlich gut machen.

Und die dabei Frauen bleiben. Mehr noch: Menschen. Der ganze Krampf um die Geschlechterrollen, wenn Gewalt im Spiel ist, die angebliche Unfähigkeit von Frauen, ein Ziel zu treffen, oder das entsprechende Vorurteil: dass ein Weib, das abdrückt, sich auf der Stelle in einen Mann verwandelt, all das zerstiebt in nichts. Sabrina und Ellen, Pajanou und Kleinert, sie bringen es wirklich: Wenn sie ziehen, hat der Gangster ausgespielt, und wenn sie treffen, ist es Frauenpower, die da reinhaut, nichts muss geborgt, nichts muss verleugnet werden.

Auch die Drehbücher folgen der Strategie, Frauen als Leute, die einen Job tun und dabei sie selbst bleiben, zu inszenieren. Im neuen Film Blackout, einem weiteren Volltreffer der Reihe (Regie: Nina Grosse, Buch: Christina Sothmann) führt Ellen vor, was passiert, wenn erotische Gefühle zwischen einer Polizistin und einem Tatverdächtigen hochschießen. Die arme Beamtin stürzt die ganze Stufenleiter des Versagens und der Demütigung hinunter. Aber nur - natürlich -, um anschließend der Welt zu beweisen, dass auch eine Frau sich im Ernstfall lieber auf ihre Waffe als auf die Waffen einer Frau verlässt.

Und mit einem Schock fertig wird.

Einen Schock erleidet Ellen, als sie zu einem Blutbad gerufen wird. Ein Mann hat sich selbst und seine Familie ausgelöscht. Der Fall hat nichts mit der Haupthandlung zu tun. Aber es ist wichtig, dass er gezeigt wird: als Polizeialltag, in dem es hart zur Sache geht. Ellen darf zusammenbrechen, ohne dass die Kommissarin als Typus Schaden nimmt.