Mit einer doppelt so hohen Zuschauerquote wie Big Brother ist C'est mon choix ("Es ist meine Wahl") die zurzeit beliebteste Fernsehshow in Frankreich. Das Konzept besteht darin, einen Gast auftreten und ihn eine Wahl treffen zu lassen, die sein Leben nachhaltig verändert. So kann sich der Gast entscheiden, niemals mehr Unterwäsche zu tragen oder - und das ist tatsächlich vorgekommen - für seine Eltern jeweils passendere Sexualpartner zu finden. Extravaganzen sind hier ausdrücklich erlaubt, sogar erwünscht.

Nicht erlaubt sind nur Entscheidungen, die die öffentliche Ordnung stören.

Ausgeschlossen ist es, sich als Rassist aufzuführen. Gibt es ein besseres Sinnbild für das, was in unserer liberalen Gesellschaft die "Freiheit der Wahl" genannt wird?

Der Soziologe Ulrich Beck hat den Begriff der "reflexiven Gesellschaft" eingeführt und ihn mit der These verbunden, dass wir alle Aspekte des Umgangs miteinander, angefangen von unseren sexuellen Vorlieben bis zu unserer ethnischen Identität, immer wieder neu auszuhandeln und zu erfinden haben.

Wir stehen also unablässig vor der "freien Wahl" und müssen Entscheidungen treffen. Allerdings gibt es eine frustrierende Pointe dieser Art Freiheit.

Sie zeigt sich besonders deutlich bei ihrem originären Anwendungsfall, dem Online-Shopping: Wer hier ein Produkt kaufen will, hat sich durch eine fast endlose Serie von Entscheidungen zu kämpfen

soll es mit X ausgestattet sein, ist der Knopf A zu drücken, wenn nicht, dann der Knopf B ... Mit anderen Worten: Wir können unsere kleinen Entscheidungen treffen, uns täglich beliebig neu erfinden - solange die soziale und ideologische Balance nicht gestört wird.