Das Rendezvous der Raumsonde Near mit dem Asteroiden Eros begann vor fast genau einem Jahr, am Valentinstag, dem Tag der Verliebten. Man habe sich - so sagen die Forscher der Nasa - für die Mission mit Eros unter den Asteroiden denjenigen mit der raumflugtechnisch günstigsten Umlaufbahn ausgesucht. Während die allermeisten der vielen tausend Asteroiden unseres Sonnensystems die Region zwischen den Bahnen der Planeten Mars und Jupiter bevölkern, ist 433 Eros der Erde näher als der Mars. Am 14. Februar 2000 war es schließlich so weit: Die unbemannte Raumsonde Near (Near Earth Asteroid Rendezvous) schwenkte als erstes menschengemachtes Objekt in die Umlaufbahn um einen Asteroiden ein.

Ein Jahr lang konnten die Forscher Eros von allen Seiten durch Nears Kameraaugen betrachten. Am kommenden Montag soll das interplanetare Tête-à-tête nun in einem spektakulären Höhepunkt enden. Die Raumsonde wird nicht einfach abgeschaltet, sondern soll möglichst langsam auf der mondähnlichen Oberfläche des Kleinplaneten niedergehen und dabei, so hofft man bei der Nasa, bis zuletzt aufregende Nahaufnahmen zur Erde funken. Damit ist die erste nach der neuen "schneller, besser, billiger"-Doktrin konzipierte Nasa-Mission beendet. Denn mit insgesamt 224 Millionen Dollar war es in der Tat eine vergleichsweise preiswerte Reise ins All.

"Die Landung wird nicht einfach", meint Missionsleiter Robert Farquhar von der Johns Hopkins University in Baltimore. Denn anders als es sich der französische Dichter Antoine de Saint-Exupéry in den Illustrationen seines berühmten Kinderbuches vom kleinen Prinzen ausmalte, sind Asteroiden keine Kugeln. Eros gleicht eher einer riesigen steinernen Kartoffel und ist etwa zweimal so groß wie Manhattan. Sein Gravitationsfeld ist nur in einiger Entfernung regelmäßig genug, um einem Satelliten halbwegs stabile Umlaufbahnen zu ermöglichen. Nahe der Oberfläche muss das Gefährt quasi manuell durch die Dellen im Schwerefeld gesteuert werden.

Die Gravitation auf Eros ist so schwach, dass ein sprungstarker Basketballspieler an seiner Oberfläche sich aus eigener Kraft in den Orbit befördern könnte. Und genau darauf gründen die Wissenschaftler die Hoffnung, dass die Sonde die geplante Landung überlebt. Farquhar, ein ehemaliger Fallschirmjäger, rechnet mit einer Aufprallgeschwindigkeit von nicht mehr als elf Kilometern pro Stunde - die Fallschirmtruppen im Zweiten Weltkrieg seien auch nicht sanfter gelandet. Eine Bruchlandung wird es trotzdem. "Near war nie für eine Landung ausgelegt und das ist auch nicht unser Hauptziel hier", erklärt Farquhar. "Das Entscheidende sind die Nahaufnahmen."

Der Appetit der Forscher auf noch detailliertere Bilder war in den zwölf Monaten, die Near bei Eros verbrachte, stetig gewachsen. Waren die Erforscher der planetaren Kieselsteine bisher vor allem auf unscharfe Fotos irdischer Teleskope angewiesen, taten sich mit den Bildern von Near neue Welten auf. "Wir haben nun etliche Antworten", sagt der Near-Chefwissenschaftler Andrew Cheng, "aber auch neue Fragen, die uns vor Beginn der Mission nie eingefallen wären." Zum Beispiel, wie es auf Eros zu rechteckigen Kratern kommen konnte. Die Forscher können sie sich nur durch tiefe Risse im Gestein erklären, die bei Meteoriteneinschlägen als Sollbruchstellen wirkten. Die Risse dürfte sich Eros bei Zusammenstößen mit anderen Asteroiden zugezogen haben. Vermutlich ist er sogar selbst nur das Bruchstück eines einstmals größeren Himmelskörpers.

Allerdings ist Eros wohl kein Trümmer eines Planeten oder Mondes. Die chemische Zusammensetzung seiner Oberfläche unterscheidet sich von der der Erde und ihrer Nachbarn. Die Planeten wurden bei ihrer Entstehung alle komplett aufgeschmolzen, wobei sich schwerere Metalle wie Eisen und Nickel vor allem im Zentrum ansammelten und verhältnismäßig wenig davon im leichteren Krustengestein zurückblieb. Das Material auf Eros dagegen ist relativ reich an Metall und ähnelt in dieser Hinsicht eher der Sonnenmaterie. Vermutlich handelt es sich daher bei Eros und vielen seiner Artgenossen um Krümel, die bei der Entstehung des Sonnensystems übrig blieben. Derart urtümliches Gestein wie das auf Eros kannte man bisher vor allem von der häufigsten Sorte von Meteoriten. Das bestätigt Vermutungen, wonach diese Meteoriten nichts als Splitter sind, die bei Karambolagen zwischen Asteroiden entstanden.

Theoretisch könnte auch Eros als Meteorit auf die Erde niedergehen, was bei seiner Größe ähnlich katastrophale Auswirkungen hätte wie der Einschlag, der vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier hinwegraffte. Allerdings beträgt die Wahrscheinlichkeit dafür innerhalb der nächsten Milliarden Jahre gerade mal fünf Prozent. Sollte es dennoch dazu kommen, tröstet eine andere Erkenntnis aus Nears Rendezvous mit Eros: Demnach besteht zumindest dieser Himmelsbrocken aus einem zwar rissigen und porösen, aber zusammenhängenden Stück Fels. Solch ein massiver Asteroid wäre leichter aus der Bahn zu werfen als ein kosmischer Schutthaufen, der bei einem solchen Manöver leicht auseinander fallen könnte.