Der Roman", schrieb Milan Kundera einmal, "erzählt die Geschichte eines Gymnasiasten, der in einer Jazzkapelle spielt und mit ziemlich viel Pech allerlei Anläufe macht, eine widerstrebende Freundin herumzukriegen. Das alles spielt sich in den letzten Tagen des letzten Weltkrieges ab, und alles ist aus der Sicht dieses respektlosen, oft sarkastischen jungen Mannes beschrieben." Noch in einer Bilanz der Prager Ereignisse von 1968 wundert sich Milan Kundera darüber, dass so ein Roman Skandal habe machen können. Es ist der Roman Feiglinge, den Kunderas Landsmann und Generationsgenosse Josef Skvorecky bereits 1958 erstmals veröffentlicht hatte, ein Buch, dessen "Schicksal" später sogar die deutsch-deutschen Zerwürfnisse berühren sollte.

Den Roman begonnen hatte Skvorecky 1948 - in geringem Abstand zu seiner eigenen Lebensgeschichte

ihn nach seiner Fertigstellung im Jahr 1956 zu veröffentlichen verbot ihm aber zunächst die Selbstzensur.

"Ich dachte", so Skvorecky, "das Buch sei zu unkoscher: naturalistisch, unanständige Wörter, zuviel Sex oder was man in jenen Tagen der literarischen Unschuld und der Justizverbrechen dafür hielt." Zwei Jahre später kam ihm der Umstand zugute, dass innerparteiliche - der stalinistische und der eher liberale - Flügel der damaligen Regierung den Roman jeweils mehr oder weniger dialektisch für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren wollten. Kunderas Inhaltsangabe macht plausibel, dass so ein Roman linken wie rechten "Korrekten" ein Ärgernis werden musste

ab 1964 indes wurde das Buch zu einem nationalen und internationalen Erfolg.

Für die Buchmesse 1968 hatte der Ostberliner Volk-und-Welt-Verlag eine Publikation des Romans (in der Übersetzung von Karl-Heinz Jähn) geplant, als am 21. August die Truppen des Warschauer Paktes in Prag einmarschierten.

Reaktionsschnell kaufte der Luchterhand Verlag die fertigen Bücher und brachte sie - im Impressum mit dem Erscheinungsjahr 1969 - auf den Markt: Die erste westdeutsche Ausgabe des Romans ist bei der LVZ-Druckerei Hermann Duncker in Leipzig gedruckt worden! Zwei Jahre vor einem weiteren west-östlichen Wendepunkt präsentierte Hans Magnus Enzensberger das Buch in seiner Anderen Bibliothek - zusammen mit einem informativen Magazin.