Die mystische Zahl drei scheint FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher zu verfolgen: Schon seit Monaten prophezeit er das Aufkommen einer Dritten Kultur, die die ersten beiden, nämlich die mathematisch-empirische und die historisch-literarische, gleichsam überwindet und in sich aufhebt. So innig ist sein Glaube an diesen Advent, dass er das Feuilleton seiner Zeitung mehr und mehr in ein, so ein Insider, "Fachblatt für Kühe und Klone" umgewidmet hat. Dort schreiben allerdings nicht die Redakteure aus dem traditionsreichen FAZ-Wissenschaftsteil, sondern vor allem das Unternehmer-Dreigestirn Craig Venter, Bill Joy und Ray Kurzweil, im Hause gern als die "drei von der Denkstelle" verspottet. Doch auf dem Weg in eine Kultur, in der die deutsche Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhardt berühmter ist als Günter Grass und Pressekonferenzen von Craig Venter gleich den Beginn einer neuen Zeitrechnung markieren, mochten ihm viele Leser und offenbar nicht einmal die von ihm installierten leitenden Feuilletonredakteure folgen: Ressortchef Ulrich Raulff, Literaturchef Thomas Steinfeld und die profilierte Autorin Franziska Augstein verlassen jetzt zu dritt die FAZ und verstärken das F euilleton der Süddeutschen. Als neuer FAZ-Feuilletonchef ist Patrick Bahners im Gespräch. Zuvor hatte schon Moritz Müller-Wirth um seinen Abschied gebeten. Er geht zur ZEIT. Das ist nun der dritte Auszug einer Gruppe von FAZ-Feuilletonisten innerhalb weniger Jahre: 1996 verließen Gustav Seibt, Jan Roß, Jens Jessen und Stephan Speicher das Blatt, die ersten drei sind inzwischen bei der ZEIT. Im vorigen Sommer waren es dann der Wiener Kulturkorrespondent der FAZ, Ulrich Weinzierl, und Konrad Adam, die zu den Emigranten aus der politischen FAZ-Redaktion bei der Welt in Berlin stießen.

Für die Kultur der FAZ ist die Häufung dieser Abschiede höchst ungewöhnlich.

Über Jahrzehnte pflegte das Blatt die Auffassung, dass jeder, der es verlässt, unweigerlich in sein Unglück ginge. Offenbar ist aber die Zahl der FAZ-Journalisten inzwischen größer geworden, die der Meinung sind, dass es sich andersherum verhält.

Wie gewinnt man einen schizophrenen mehrfachen Mörder für ein schönes exklusives Interview? Diese Frage haben sich Redakteure der renommiertesten Fernsehsendungen und Zeitschriften der USA gestellt und kamen auf dieselbe Methode: Man schleimt sich ein. Das kuriose Resultat, die Anfragen an Theodore Kaczynski, den Unabomber, sind jetzt bei www.thesmokinggun.com nachzulesen. CNN-Moderatorin Greta van Susteren versuchte es auf die direkte Art: "Sie sind ein außerordentlich schlauer Mann." Der Autor des New Yorker gab sich gebildeter und wollte mit ihm über den Einfluss der Romane Joseph Conrads auf sein Leben diskutieren. Rührend schließlich die Anfrage der Show von Roseanne Barr: Auch Roseanne sei eine "unangepasste Persönlichkeit", mit der er, Kaczynski, "schnell viel Spaß" haben könne. Der so Umworbene leitete die Briefe cool an das Archiv für anarchistische Literatur der University of Michigan weiter, das sie jetzt ins Internet stellte.

Nils Minkmar (offline@zeit.de)