Aufruf! Sich bekennen, dabei sein, denn dazugehören ist schön: »Join the lovesick society«. Wenn das nicht noch besser klingt als »Give peace a chance«. Die Revolution des Schmerzes: Am 16. und 17. Februar wird in der Berliner Volksbühne auf dem ersten Kongress der »Lovesick Society« die liebeskranke Gesellschaft ausgerufen. Rufname: »LovepangsTM«, geboren als Idee von Carmen Brucic, 28, und Jeanette H. Müller, 29, einem Künstlerinnenduo aus Wien.

In den letzten zwei Jahren haben die beiden um ihre geschützte Wortschöpfung aus Liebe und dem englischen Wort für stechende Schmerzen (»Pangs klingt so schön nach Schuss«) ein mittelgroßes Universum erdacht. »Lovepangs« ist ein Paket, soll Markenzeichen und Inhalt, Produktstrategie, Erlebniswelt, Kunst, Gefühl, Kommerz in einem sein. »Schmerzhafte Gefühle werden von der Gesellschaft nur als eine Störung im System begriffen. Wir schaffen einen öffentlichen Raum, in dem private Liebesqualen Beachtung finden.«

Die Experten: Teenager, Pornostars und Psychologen

Die Lobbyistinnen der Herz-Patienten operieren auf drei Ebenen: Der Zuschauer kann seinen Gram in einer monumentalen Gesprächsinstallation teilen. Christoph Schlingensief und Alexander Kluge inszenieren außerdem den »ersten imaginären Lovepangs-Opernführer«, eine Bühnen-Tour-de-Force durch die schmerzhaftesten Szenen des Musiktheaters. In zwei Salons musizieren Damenbands therapeutisch bis brutal - ihre Namen lassen ahnen: Betty Bombshell, Cobra Killer, DJ Female Macho.

»Das Herz von Lovepangs ist die Kommunikation«, so wollen es die Erfinderinnen. Hundert ausgewiesene Spezialisten, darunter Staatsanwälte, Elfenforscher, Kriminalbeamte, Hutmacher, Laiendarsteller, Teenager, Pornostars und Psychologen sitzen an zart beleuchteten Tischen zum intimen Zweiergespräch bereit. Lilo Wanders ist dabei, Rainer Langhans, Rosa von Praunheim, Dr. Motte, Antje Vollmer, Bazon Brock, die Rapperin Aziza-A, die Viva-Moderatorin Charlotte Roche, der russische Autor Wladimir Kaminer und der Filmregisseur Oskar Roehler werden ihre Fachkenntnisse einbringen, Musikberatung und Ernährungstipps offerieren, oder Hassbriefe für die Hilfe Suchenden schreiben.

Jeder Tisch bietet einen anderen Service, jeder Berater nimmt sich für sein Gegenüber (vorher anmelden!) eine halbe Stunde Zeit.

Natürlich ist nicht jeder Liebeskummer gleich, der Schmerz oszilliert, nicht jeder leidet an den gleichen Symptomen. Zur Orientierung haben die Künstlerinnen vier Schmerzstufen identifiziert und dazu ein Farbleitsystem entwickelt. Der Leidensweg beginnt mit einem Aufschrei: »Pain« meint den bodenlosen Schmerz, einsame Trauer und Fassungslosigkeit und ist im Lovepangs-System gelbgrün: eine bösartige Farbe, eitrig-eklig, die ins Auge hauen soll wie der Trennungsschmerz in die Magengrube.