LovepangsTM ist außerdem ein Markenzeichen. Das Wort könnte auf Suppendosen kleben, auf Sonnenbrillen, Badeöl oder Schokolade, also auf allem, was potentiell Trost spendet. »Wir hatten da einen komischen visionären Anflug und haben uns den Begriff für bestimmt 300 Dienstleistungen und Produkte schützen lassen. Da ist, außer Fleisch, so ziemlich alles dabei: Reisen, Telefontarife, Mode ...«

Ein paar Prototypen gibt es bereits: »Grannys Potato Soup« für Schmerzstufe »Pain«, natürlich kreischend gelb verpackt und liebevoll zugetextet mit wissenswerten Omaweisheiten zum Thema: » Love is blindness, learn to see again. - Just straighten your back and your sickness will be over.« Oder »Lobster Cream Soup« in schlichtem Schwarz für den hoffnungsvollen Neubeginn: »It's over« steht darauf geschrieben und: »You can't have onion soup on your first date.« Sagen die Schöpferinnen: »Wir benennen eine Marke, weil unsere Gesellschaft über Konsum funktioniert. Man muss diese Kanäle auszunützen, um das System zu unterwandern.«

Der Konsumkosmos ist schon da, man muss ihn nur neu bewerten. Mit eigens gestalteten Lovepangs-Produkten und mit bunten Aufklebern in allen vier Schmerzfarben, die von Eingeweihten auf Parkbänke, Kaffeehaustüren, Waschsalons, auf Lieder, Filme oder das beste Papiertaschentuch geklebt werden können - auf alles, was den Schmerzzustand verbessert.

Zum Kongressauftakt in Berlin wird im Internet der Modellversuch eines Stadtplans des Leidens veröffentlicht: der (Making) Berlin Lovesick Guide - traurige Empfehlungen für den Bezirk Mitte.

Schlingensief hat keinen Liebeskummer, im Gegenteil

Vom ersten Kongress bis zur Eroberung des liebeskranken Weltmarkts scheint der Weg nicht weit, die »Lovepangs«-Erfinderinnen sind im Vorfeld der nahenden Veranstaltung von ihrem Konzept geradezu berauscht: »Lovepangs ist Kunst, es hat eine starke verbindende Idee, wir arbeiten mit der Wirtschaft, sind medienkonvergent, alles wirkt zusammen. Welches Produkt kann das schon? Der Kongress ist die Etablierung einer Riesen-Corporate-Identity. Und wenn man es ganz gemein betrachtet, ist die Schlingensief-Oper ein gigantischer Werbespot dazu.«

Schlingensief wiederum rührt die Werbetrommel mit Liebe. Dabei hat er gar keinen Liebeskummer, ganz im Gegenteil: Er und Carmen Brucic sind ein Paar. Für den Kongress sucht Schlingensief in 350 Jahren Oper die Antwort auf die Frage, »ob die Oper nicht immer schon ein Lovepangs-Produkt war«, und inszeniert ein Panoptikum aus Verdi, Mozart, Puccini und Wagner mit 80 Mann Chor, Kommentatoren von Roger Willemsen bis zu Smudo von den Fantastischen Vier, mit einer Blasmusikkapelle und einem türkischen Boxverein und freut sich dabei, Teil eines großen Ganzen seiner neuen Freundin zu sein.