Hombach: Guten Morgen.

Remme: Herr Hombach, die Anmoderation klang pessimistisch; übertrieben pessimistisch?

Hombach: Nun, die Zwischenfälle sind ernst. Es gibt terroristische Akte, es gibt Leute, die vor Gewalt nicht zurückschrecken, aber gleichzeitig gibt es große Bewegungen dagegen. So ist es hier zu beobachten gewesen in Mazedonien, dass es die albanische Volksgruppe selber war, die albanische militante Kräfte - Terroristen möglicherweise - aus ihren Dörfern vertrieben hat. Das Militär ist abgerückt und die Leute haben selber Ordnung geschaffen, indem sie klar gemacht haben: ‚Hier bei uns seid Ihr nicht willkommen'. Das sind Zeichen, die muss man auch sehen. Und hier in Mazedonien - in Skopje ist ja nicht nur heute der große Gipfel mit den Regierungschefs, sondern seit zwei Tagen tagen ja in den verschiedensten Bereichen hier schon Experten, Wirtschaftsminister auf der einen Seite über Energievernetzung, Außenminister auf der anderen Seite. Gestern zum Beispiel ist ein Abkommen unterschrieben worden - das ist einzigartig - zwischen Jugoslawien und Mazedonien über eine gemeinsame sichere Grenze. Das ist ein gutes Zeichen; es muss noch mehr solcher Abkommen geben, aber es geht doch voran. Und vor allen Dingen in der Region selbst werden nun Kräfte mobilisiert, selbständig aus eigener Kraft heraus diese Konflikte zu lösen. Ich will nicht zu weit gehen, aber gestern gab es hier Treffen zwischen Vertretern Albaniens, aus Tirana, mit Vertretern anderer Nachbarländer, auch Jugoslawiens - gemeinsam mit uns -, um die Frage zu erörtern: Was können zum Beispiel die Albaner tun, um auf ihre Leute einzuwirken, damit Gewalt auf jeden Fall vermieden wird.

Remme: Sind die militanten Albaner zum Hauptproblem für Frieden und Sicherheit in der Region geworden?

Hombach: Nach dem äußeren Eindruck muss das im Augenblick so sein. Aber hier geht es tatsächlich um andere Dinge. Hier geht es um ein ganz enges Regelwerk - eine Konkretisierung der Zusammenarbeit in der Region. Da geht's um Freihandel, da geht's um gemeinsame Energiepolitik, da geht's um grenzüberschreitende Infrastruktur, es geht um den Ausbau des Internets zum Beispiel - um ganz praktische Sachen. Das heißt, in der Region richtet man sich darauf ein, enger zusammenzuarbeiten als jemals zuvor. Das ist ein gutes Zeichen.

Remme: Nach Meinung der serbischen Regierung tut die KFOR-Truppe bei weitem nicht genug gegen die Aktionen bewaffneter Albaner. Haben Sie Verständnis für diesen Vorwurf?

Hombach: In solchen aufgeheizten Situationen gibt es mal ein schnelles Wort, und jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen. Aber wenn man sich dann besinnt, dann merkt jeder - und das ist hier ein gutes Zeichen, das ist die Stimmung, die ich hier seit zwei Tagen erlebe - . . .