Darf man dem Marktgeflüster glauben, steht Telekom-Chef Ron Sommer - wieder einmal - kurz vor seinem Rausschmiss. Würden Topmanager allein an den Aktienkursen ihrer Unternehmen gemessen, müssten derzeit die meisten Chefetagen der Fernmelderiesen in Europa leer gefegt sein. An Gerüchten mangelt es auch in Großbritannien und Frankreich nicht. Sie gedeihen immer dann, wenn statt Fakten und Weitsicht nur noch Stimmungen und Aktionismus zählen.

Der dramatische Absturz der Telekommunikationskonzerne an den Börsen ist genauso irrational, wie es zuvor der Höhenflug war. Beispiel Deutsche Telekom: Sie notierte im März 2000 kurzzeitig bei 104 Euro, um dann nach einem stetigen Sinkflug zu Beginn dieser Woche auf 27 Euro abzusacken. Ihren Pendants in den Nachbarländern erging es nicht besser. Die extremen Höhen und Tiefen zeugen von großer Ratlosigkeit - oder von Zockerei.

Tatsache ist: Alle Telefonkonzerne stehen unter Druck. Nach der Liberalisierung brechen vor allem den Exmonopolisten auf den Heimmärkten Marktanteile weg. Sie müssen expandieren, verlassen deshalb ihre angestammten Gehege. Nun kämpft fast jeder gegen jeden - vorzugsweise im Geschäft mit dem Mobilfunk.

Das ist der Grund dafür, warum die alten und neuen Fernmeldegesellschaften bereit sind, horrende Summen in die neue Mobilfunkgeneration UMTS zu stecken. Sie haben keine andere Wahl. Ohne die neuen Frequenzen und Netze würden sie sich von einer Technologie abkoppeln, der großes Potenzial nachgesagt wird. Jedenfalls bis vor kurzem noch.

Plötzlich aber führen die Skeptiker das Wort. Vor allem jene Auktionen, die allein den Finanzministern in Deutschland und Großbritannien rund neunzig Milliarden Euro in die Kassen spülten, sind in Verruf geraten. Welche anderen Verfahren aber hätte sich besser geeignet, ein öffentliches und zudem noch knappes Gut zu kommerzialisieren? Versteigerungen sind Marktwirtschaft pur. Jetzt gegen dieses Prinzip zu wettern mutet reichlich opportunistisch an.

Die eigentliche Nagelprobe steht den Fernmeldechefs erst noch bevor. Sie müssen sich künftig daran messen lassen, ob es ihnen gelingt, aus den gigantischen Investitionen für die neue Technik tatsächlich Kapital zu schlagen. Gleichzeitig gilt es, die horrenden Schuldenberge abzutragen.

Eine Schlappe ganz empfindlicher Art musste jüngst France Télécom verkraften. Der Börsengang der Mobilfunktocher Orange, der kräftig Geld in die Kasse spülen sollte, geriet zu einem Debakel. Deshalb prüft jetzt British Telecom eine Alternative zum Börsengang der eigenen Mobilfunktochter. Genau das gleiche Problem hat die Deutsche Telekom. Selbst Branchenprimus Vodafone stürzte zu Beginn der Woche an der Börse ab, weil der Verkauf der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada stockt.