Keine Frage also: Die großen Schlachtschiffe der Telekommunikation in Europa gehen schweren Zeiten entgegen. Auch die Deutsche Telekom.

Den Chef des Unternehmens jetzt nach Hause zu schicken wäre reiner Aktionismus. Hätte er der größten Telefongesellschaft Europas beim Thema UMTS etwa Funkstille verordnen sollen?

Entscheidend ist die Frage, ob Sommer den Konzern auch weiterhin durch stürmische Zeiten lotsen kann. Bislang hat er das geschafft, wenn auch nicht ohne Rückschläge. So gelang es ihm nicht, die Telekom als Global Player aufzustellen. Das brachte dem Globalisierer Sommer harsche Kritik ein.

Zwei Beispiele: Vor zwei Jahren platzte die Fusion mit Telecom Italia, und die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream kommt nur mühsam voran. Beides ist allerdings weniger Managementfehlern, sondern mehr den nationalen Empfindlichkeiten der einzelnen Länder zuzuschreiben.

Auf keinem anderen Markt Europas wurde ein Exmonopolist zudem so schnell und rigoros in Grenzen verwiesen wie in Deutschland. Der Marktanteil der Telekom sank ebenso rapide wie die Tarife. Das war das erklärte Ziel der strikten Regulierung. Nicht zufällig ist inzwischen eine Debatte darüber entbrannt, ob die Wettbewerbshüter hierzulande nicht zu viel des Guten taten.

Bei der Liberalisierung ihrer Postmärkte lassen die Regierungen in Europa inzwischen große Vorsicht walten. Die meisten Mitgliedstaaten sperrten sich jüngst gegen eine weitere Öffnung. Deshalb soll nun auch die Deutsche Post eine längere Schonfrist erhalten als ursprünglich geplant. Kaum sickerte die Nachricht Anfang Februar durch, machte die Aktie des gelben Riesen einen Sprung.

Mit so viel Glück kann die Telekom nicht rechnen. In Kürze steht für sie eine ähnlich heikle Entscheidung an. Dabei geht es um mehr Wettbewerb im Ortsnetz, ein Problem, das weltweit noch Sorgen bereitet. Von großer Bedeutung ist, welchen Preis der Regulierer in Deutschland der Telekom zugesteht, wenn sie ihren Konkurrenten die so genannte letzte Meile zum Kunden überlassen muss.