Frauen sind nicht fähig, wissenschaftlich zu arbeiten, können nicht logisch denken und gehören an den Herd - im 19. Jahrhundert eine weit verbreitete Vorstellung. Deshalb hat Ada Augusta, Countess of Lovelace, ihren umfangreichen Kommentar zu Analytical Engine, einem Werk über eine mechanische Rechenmaschine, nicht mit vollem Namen unterzeichnet, sondern mit A. A. L. Wer hätte schon die Rechenprogramme einer Frau ernst genommen?

Heute müsste sie ihren Namen nicht mehr verstecken. Das Ada-Lovelace-Projekt gehört zu den größten Mentoring-Programmen an deutschen Hochschulen. Seit August 1997 haben insgesamt 200 Mentorinnen mitgemacht, rund 100 sind zurzeit in den Hochschulorten in Rheinland-Pfalz aktiv. Über 7000 Schülerinnen wurden bisher kontaktiert. Eine davon ist Nadia Ettaous. "Es ist toll, wenn man etwas aus erster Hand erfährt, von Frauen, die den Weg schon gegangen sind", sagt die Abiturientin. Sie möchte jetzt auf jeden Fall Informatik studieren.

"Wir wollen den Schülerinnen die Angst vor naturwissenschaftlich-technischen Fächern nehmen", sagt Anke Bretz. Die 23-jährige Informatikstudentin kümmert sich um den weiblichen Nachwuchs in diesen Studiengängen. Bei ihren Gesprächen stellt sie häufig fest, dass es immer noch Lehrer gibt, die "Mädchen eintrichtern, dass sie das doch nicht können" und dass Jungen als Technikexperten gelten. Trotzdem würde keine junge Frau von sich sagen, dass sie "benachteiligt" sei. "Deshalb stellen wir auch nicht den Frauenaspekt in den Vordergrund", sagt Sylvia Neuhäuser-Metternich, Leiterin des zentralen Projektbüros an der Universität Koblenz. "Sondern wir wollen vermitteln, dass diese Fächer das Know-how von Frauen brauchen."

Und nicht nur die Fächer: Auch Wirtschaft und Gesellschaft gewinnen durch mehr Frauen in technischen Arbeitsfeldern, sagt Neuhäuser-Metternich. Gearbeitet wird in in zwei Richtungen: Studentinnen begleiten Schülerinnen ins Studium und in den ersten Semestern; Fachfrauen ebnen Absolventinnen den teilweise schwierigen Übergang vom Studium in den Beruf.

Dass Mentoring - bisher vor allem aus der Wirtschaft bekannt - an Hochschulen gezielt zur Frauenförderung eingesetzt wird, ist neu. Die Projekte werden meistens aus Landes-, Bundes- oder EU-Mitteln finanziert. Ähnlich flächendeckend wie in Rheinland-Pfalz startet im Frühjahr ein Projekt in Hessen: Mentoring vom Abi bis in den Job. An der TU Darmstadt und der FH Frankfurt gibt es bereits seit dem Wintersemester 98/99 ein Mentorinnen-Programm, an der Universität Frankfurt wird derzeit ein zentrales Büro eingerichtet.

Lange Zeit fehlte es an Vorbildern

Gerade in zukunftsträchtigen Studiengängen wie Maschinenbau (12,3 Prozent), ETechnik (4,5 Prozent) oder Informatik (16 Prozent) sind Frauen noch immer unterrepräsentiert. Doch auch in Naturwissenschaften, die mehr Frauen anziehen, gibt es viel zu tun, wie die Diplomchemikerin Irene Rother erklärt: "Der Frauenanteil in der Chemie liegt bei über 40 Prozent. Doch die Frauen brechen ihr Studium häufiger ab, promovieren und habilitieren weniger und bewerben sich auch nicht so oft in der chemischen Industrie."