Die Nordmark beginnt am Stadtrand von Oslo, erstreckt sich weit Richtung Nordnordwest, besteht aus Wäldern, Seen und sanften Bergen. In der Nordmark gibt es noch Märchenwinter, gemütliche Skihütten und 2200 Kilometer Loipen. Vom Stadtzentrum der norwegischen Hauptstadt fährt die U-Bahn-Linie 1 mitten hinein in dieses Skiparadies. Kein Wunder also, dass an jedem Winterwochenende ganz Oslo auf Ski durch die Nordmark tobt. Und auch kein Wunder, dass zu den wichtigsten Ereignissen des Osloer Jahres der Holmenkollen-Skimarathon zählt.

Denn Skilaufen ist nicht der Nationalsport der Norweger. Es ist Teil ihrer nationalen Identität. Spätestens seit Fridtjof Nansen, dem Polarforscher, Birger Ruud, dem Skispringer, und Olav V., dem Skikönig. Vielleicht aber auch schon, seit die Norweger das Skilaufen erfunden haben. Seit sie der deutschen Sprache so wunderbare Wörter geschenkt haben wie Slalom, Loipe und - Ski.

Um also ganz tief einzutauchen in die Seele dieses nordischen Volks, das noch immer nichts von der EU wissen will, das noch immer Wale jagt und dran glaubt, man könne Alkoholmissbrauch durch astronomische Preise bekämpfen, gibt es nur einen Weg: Der führt von Hakadal bergauf, bergab quer durch die Nordmark, endet im Skisprungstadion am Holmenkollen und ist 42 Kilometer lang.

Ich muss den Holmenkollen-Marathon mitlaufen: Startnummer 5096.

Erste Lektion: Norweger sind hart im Nehmen.

Als ich an diesem Februarsonntag um Viertel vor sieben aus der Hoteltür trete, würde ich am liebsten umdrehen und mich verkriechen in mein warmes Bett. Es schneit! Es ist kalt! Es stürmt!

Doch die Stimmung im Bus ist aufgekratzt: Den Männern und Frauen um mich herum macht dieses Wetter richtig Spaß. Bei Sonne, so wie gestern, kann schließlich jeder einen Marathon laufen!