Als Tony Blair und Bill Clinton im März vergangenen Jahres jene aufsehenerregende Erklärung zum Humangenom veröffentlichten, in der sie von den Genforschern weltweit die freie Veröffentlichung ihrer Daten forderten, war Sir Robert die treibende Kraft im Hintergrund - die Aktien von Craig Venters Firma Celera verloren damals schlagartig 25 Prozent an Wert. Der drahtige May, den neben seinem scharfen Intellekt ein feiner Humor auszeichnet, hatte in zähen Verhandlungen die britischen Maßstäbe gegenüber dem amerikanischen anything goes durchgeboxt.

Seit Dezember vergangenen Jahres ist Sir Robert May Präsident der ehrwürdigen, 1660 gegründeten Royal Society. Die britische Nationalakademie der Wissenschaften hat 1300 in- und ausländische Mitglieder. Sie repräsentiert die Interessen der Wissenschaft und fördert den Austausch mit Politik, Medien und Gesellschaft.

Zu den Aktivitäten der Akademie gehört unter anderem ein Förderprogramm für exzellente Nachwuchsforscher. Über 350 der klügsten jungen Köpfe werden 10 Jahre lang unterstützt und können dabei forschen, was und wo sie wollen. Außerdem tritt die Akademie als Autorität in der Politikberatung auf. Seit einiger Zeit bemüht sich die Royal Society, den Belangen der Öffentlichkeit in wissenschaftlichen Fragen mehr Gewicht zu verleihen.

DIE ZEIT: Sir Robert, Sie waren fünf Jahre lang Chief Scientific Advisor der britischen Regierung, Großbritanniens oberster Wissenschaftler. Was war Ihre wichtigste Erfahrung?

ROBERT MAY: Zu erkennen, dass die früher übliche Art der Politikberatung heute nicht mehr funktioniert. Traditionellerweise fand diese Beratung hinter verschlossenen Türen statt, in einem engen Zirkel von Bürokraten, Politikern und einigen bekannten und wohlgelittenen Wissenschaftlern, die ihre Ansichten vertraulich den Ministern weitergaben. Das Ergebnis dieser Expertenrunde wurde dann als Konsens der Öffentlichkeit präsentiert. So geht es nicht mehr!

ZEIT: Hat diese Einsicht mit dem Versagen der britischen Politik in der BSE-Krise zu tun?

MAY: Auch. Obwohl ich fairerweise sagen muss: Die BSE-Krise in Großbritannien war vor meiner Zeit, vielleicht hätte ich dieselben Fehler gemacht. Aber mit der Klarheit der Rückschau kann man feststellen: Die Experten haben damals die Gefahr nach bestem Wissen beurteilt. Schließlich gab es schon seit Hunderten von Jahren eine ähnliche Krankheit bei Schafen, Scrapie, die nie auf Menschen übersprang. Daher hielten die Wissenschaftler auch im Falle des Rinderwahns das Risiko für höchst gering. Doch im politischen Diskurs wurde aus dem gut begründeten Urteil, Rindfleisch sei "fast sicher" dann bald ein falsches "völlig sicher" - mit den bekannten katastrophalen Konsequenzen.