Das Naheliegende scheint die Naheliegende. Schon Alfred Hitchcock wurden tragische Drehverhältnisse nachgeraunt. Noch heute ist es das typische Regisseursklischee, das zum Beispiel um Dieter wedelt. Doch Drehverhältnisse heißen nicht Uschi, sondern vier zu eins oder, wenn's hoch kommt, zehn zu eins oder aus Sicht der Produzenten kurz: ruinös oder aus Sicht der Autoren gerade andersrum: ruinös.

Wie viel Material wird belichtet, entwickelt, kopiert - im Verhältnis zur Gesamtlänge des Films, der daraus entstehen soll? Wird auf Zelluloid gedreht, macht dieses Kostenkriterium noch heute Sinn. Wenngleich sich auch hier schon die bange Frage verbirgt, wie oft und wie lange und wie aufwändig der Herr Regisseur das Geld des Produzenten klein schneiden möchte. Deshalb hat das böse Wort auch den Wechsel auf Magnetbänder überlebt, die nicht entwickelt und kopiert werden müssen, die man gar mehrfach verwenden kann. Auf Formularen der zentralen Disposition begegnet dem Fernsehreporter die Rubrik: "1 : 4" hat die Dispo routiniert eingetragen. Drunter steht, dass es ein Dreiminüter für ein Regionalmagazin werden soll, macht unterm Strich: Ab der zwölften Drehminute kann ein übellauniger Kameramann mit dem Drehabbruch drohen, den Reporter der Konzeptlosigkeit zeihen. Oder die Stimmung im Team mit ein paar grundsätzlichen Betrachtungen darüber würzen, dass man ja heutzutage mit jedem stümpernden Volontär losgeschickt werde und dass das aber früher mal anders war. Die Standard-Drehkassette fasst 20 Minuten, danach ist endgültig zappenduster. Früher war vor allem alles kürzer, und eben Hitchcock drehte dem gleichnamigen Verhältnis ein Denkmal: Sein erster Farbfilm Cocktail für eine Leiche kam 1948 ohne jeden sichtbaren Schnitt daher. Der Meister hatte das Drehbuch in Zehnminutenakte zerlegt - die Länge der Filmkassetten. Die Kassettenwechsel versteckte er in Abdeckern, als etwa: Rücken des Hauptdarstellers verdunkelt die Kamera - unsichtbarer Schnitt - Kamera zieht vom dunklen Rücken wieder auf. Drehverhältnis: eins zu eins. Weltrekord. Und piep- egal: Zum ersten Mal nämlich war Hitchcock bei diesem Film nicht mehr Sklave des Drehverhältnisses - sondern sein eigener Produzent.

Friedrich Küppersbusch erklärt den ZEIT- Lesern in loser Folge wichtige Begriffe aus der TV-Welt. Der Journalist produziert unter anderem für n-tv die Talkshow "Maischberger"