Eijeijei. Jetzt fängt die 68-er-Bewältigung auch in Frankreich an. Daniel Cohn-Bendit äußert sich im Magazin zu Vorwürfen, die Ende Januar schon vom Observer und später, natürlich, von Bild gemacht wurden. Und jetzt von L'Express. In einem Buch des Jahres 1975 ("Le grand bazar", Belfond) schrieb Cohn-Bendit über seine Erfahrungen als Erzieher in einem Frankfurter Kinderladen: "Es ist mir mehrfach passiert, dass gewisse Kinder meinen Hosenstall öffnen und anfangen mich zu streicheln. Ich habe je nach Situation unterschiedlich reagiert, aber ihre Lust stellte mich vor ein Problem. Ich fragte sie: 'Warum spielt ihr nicht miteinander, warum habt ihr mich gewählt und nicht andere Kinder?' Aber wenn sie darauf bestanden, streichelte ich sie trotzdem." In L'Express sagt er, dass Bettina Röhl, die Tochter von Ulrike Meinhof, diese Information auf ihrer Internetadresse lanciert hat, um über seine Person seinem Freund Joschka Fischer zu schaden. Außerdem "erklärt er, dass ihre kleine Gruppe zu jener Zeit von jeder Form von Repression besessen war, auch von der sexuellen Repression. 'Wir dachten, eine antiautoritäre Erziehung sollte den Kindern erlauben, ohne sexuelle Verbote aufzuwachsen.' Und heute? 'Ich würde auch heute noch sagen, dass Kinder Verführer sind, aber ich würde es nicht mehr in sexuellen Begriffen ausdrücken. Ich glaube auch, dass es zu den schwierigsten Dingen überhaupt gehört, eine verantwortungsvolle Haltung in sexuellen Dingen zu entwickeln..."

Ein großer, blendend dokumentierter Artikel erzählt neue Details über die Korruptionsaffäre des Pierre Falcone, der unter anderem Jean-Christophe Mitterrand, den Sohn des ehemaligen Präsidenten, aber auch gaullistische Politiker auf großzügigste Weise mit Geld unterstützte, um Waffenverkäufe an Angola zu ermöglichen. Ein Auszug aus den Kontobewegungen des Präsidentensohns: "Mitterrand hat auf seinem Konto der Genfer Bank Darier am 21. Oktober 1997 680.000 Dollar erhalten, am 17. November 120.000, am 7. Mai 1998 500.000 Dollar, am 4. Juni desselben Jahres noch mal 500.000. Macht zusammen 1.800.000 Dollar, zu denen noch einige kleinere Geschenke kommen wie Flugzeugtickets und eine Uhr für 10.000 Francs." Politisch brisanter dürften noch die Enthüllungen über Subventionen an die Gaullisten sein, die dazu dienen sollten, eine Lobby im Europäischen Parlament zu schaffen.

Hinzuweisen ist schließlich auch auf den großen Artikel zum Tod des "Revolutionärs" Charles Trenet.

Le Nouvel Observateur, 22. Februar

Schon seit einigen Wochen geistert eine Räuberpistole durchs französische Internet, über die jetzt auch der NouvelObs berichtet: Das Ding heißt I2BP. Eine Start-up-Inkubator namens Atelier de l'innovation behauptet, eine Technologie erfunden zu haben, die im Internet den Empfang von Vollbild-Videos in erstklassiger Qualität über ein stinknormales Modem erlauben soll. Das französische Internetmagazin Transfert berichtete zuerst über die Geschichte. "Wenn das wahr wäre, müssten die Multimedia-Giganten, die Hunderte von Millionen in die Breitbandtechnologien (France Télécom, Noos) oder in Datenkompression (Microsoft, RealNetworks) investieren, ihre Hüte auffressen." Dummerweise weiß man aber nicht, ob es wahr ist. Vorführungen des Systems für Journalisten liefen immer über das interne Netzwerk der Firma. Und der Erfinder des Systems Marc-Eric Gervais "redet viel, wenn der Tag lang ist. Wer ihn getroffen hat, zögert: Daniel Düsentrieb oder Peter und der Wolf?" Transfert meldet unterdessen, dass I2BP ab dem 15. März unter einer eigenen Adresse aus dem Netz herunterzuladen sein soll. Kostenlos, aber nur einen Tag lang. "Staus sind vorherzusehen", meint das Online-Magazin.

Ein Dossier ist Georges Perec gewidmet, dem Mitbegründer der "Oulipo"-Bewegung, in der sich die Dichter harte Zwänge für ihre Arbeiten selbst auferlegen (Perec hat es fertiggebracht, einen ganzen Roman zu schreiben , "La disparition", in dem der Buchstabe "e" nicht vorkommt). Im Dossier erinnert sich unter anderem der Lyriker Jacques Roubaud an Perec: "Ich erinnere mich, dass er 1981 bei seiner Rückkehr von einer Australien-Reise behauptete, dass in Wirklichkeit keine Kängurus existieren. Sie seien eine Erfindung der australischen Tourismusbehörde, die Aborigines bezahlte, um Kängurus darzustellen."

Weitere Artikel: Der Titel ist Charles Trenet gewidmet. Im Wirtschaftsteil wird der Poker um die französischen UMTS-Lizenzen nacherzählt.