Die Zeit: Ihr Mann ist vermutlich seit einem halben Jahr der einsamste Deutsche, allein auf seinem kleinen Boot. Machen Sie sich Sorgen um ihn?

Astrid Erdmann: Sorgen? Wissen Sie, das Wort wäre wirklich untertrieben. Was er macht, ist extrem harte Arbeit. Er hat sich eine Rippe gebrochen, aber das ist wohl nicht so schlimm, nur schmerzhaft, vor allem beim Lachen. Aber es ist ja niemand da, der ihm Witze erzählen kann.

Zeit: Wie bekommen Sie eigentlich Nachrichten von ihm?

Erdmann: Mein Mann hat ein Satellitentelefon bei sich, aber der Aufbau der dafür nötigen Geräte und die Anpeilung des Satelliten erfordern ruhige See. Da unten im Südpazifik stürmt es halt fast immer. Im Dezember konnte er sich zwei Wochen nicht melden, wegen der Stürme. Diese Verbindungen sind auch wahnsinnig teuer, und außerdem telefoniert mein Mann überhaupt nicht gern.

Zeit: Mit seinen 60 Jahren ist Wilfried Erdmann ein routinierter Fahrensmann. 1968 ist ihm als erstem Deutschen die Einhand-Weltumseglung geglückt. Jetzt segelt er in Richtung Westen, das heißt meistens gegen Wind. Und er fährt, ohne irgendwo einen Hafen anzusteuern. Haben Sie Verständnis dafür?

Erdmann: Na klar, ich bin ja selbst Seglerin und habe einige große Touren mit ihm zusammen unternommen. Diesmal bin ich nicht mit dabei, denn 300 Tage auf einem kleinen Boot - da würden wir zwei uns ja zerfleischen. Außerdem werde ich immer seekrank.

Zeit: Die meisten Altersgenossen ihres Mannes wenden sich bequemeren Dingen des Lebens zu, als allein um Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung zu segeln.