Auch in der Themengewichtung lassen die Zeitungen heute eher Vielfalt erkennen. Joschka Fischers Verständnis für die Luftangriffe gegen den Irak bildet dabei den größten gemeinsamen Nenner: "Grüner Kollateralschaden" macht die "tageszeitung" auf. Fast wortgleich geben sich die "Frankfurter Rundschau" und die "Welt": "Grüne Basis empört über Fischer". Das Scheitern der Verhandlungen des Kirch-Konzerns mit öffentlich-rechtlichen Sendern über Senderechte für die Live-Berichterstattung der Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea sowie der WM 2006 in Deutschland beschäftigt den "Tagesspiegel" und die "Welt" in ihren Titelgeschichten, während die "Süddeutsche Zeitung" den Bericht des Finanzministerium über das Florieren der Schattenwirtschaft auf die Eins stellt: "Schwarzarbeit nimmt dramatisch zu". Die Korrektur des Immobilienstandes der Telekom um zwei Milliarden Euro nach unten ist nicht nur für das "Handelsblatt" Thema. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" stellt die Nachricht auf eine dominante Position: "Die Krise bei der Telekom: Gewinnkorrektur und weiterer Kurseinbruch". Immer wieder gerne das hessische B-Girl: "Wirbel um Nacktfotos" titelt die "Bild" und meint damit zwei Jahre alte Fotos von Sabrina Setlur, die in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Max" zu sehen sind. Setlur habe damals einen Panter darstellen wollen und ließ sich eigens dafür blau anmalen. So wild die "Bild" das auch findet, Setlur gefallen die Bilder nicht. Sie will rechtliche Schritte einleiten.

Fischers diplomatische Waffen

Wenig freundliche Worte findet die linke Presse heute für Joschka Fischer. "Kein bundesdeutscher Außenminister hat Hierarchien vergleichbar demütig akzeptiert", meint die "tageszeitung" zur Aussage des Außenministers in Washington, die deutsche Regierung habe die Entscheidung der Bombardierung des Irak nicht zu kritisieren. "So spricht der Untertan", fährt Bettina Gaus fort. Sie meint, nicht die Opposition sei sein Gegner, Fischer selber sei sich der ärgste Feind: "Der Außenminister will von seiner eigenen Vergangenheit nichts mehr wissen."

Fischer habe eine neue diplomatische Waffe installiert, meint die "Süddeutsche Zeitung" zynisch, "die Schere in seinem Kopf". Die klappe so schnell auf und zu, dass kritische Gedanken über US-amerikanische Politik schon im Ansatz weggeschnitten würden. "Fischer ignoriert, der deutsch-amerikanischen Freundschaft wegen, die völkerrechtliche Problematik der Luftangriffe auf den Irak so souverän, wie dies die Amerikaner und die Briten tun. Kurz gesagt: Die Beziehungen zwischen Fischer und der US-Regierung sind bombenfest."

Genau diesen Umstand hebt Jacques Schuster in der "Welt" positiv hervor. Wohlwollend vermerkt er in seinem Leitartikel, die grüne Außenpolitik habe "ihre Farbe verloren": "Der Außenminister bewies die für uns Deutsche so notwendige Bündnistreue. Mag er sich innenpolitisch auch im Dickicht der Vergangenheit verheddern, so trat er in Washington einem Antrittsbesuch wohltuend angemessen auf. [...] Fischers Besuch also setzt die Linie deutscher Amerikapolitik fort."

Purpur auf dem Petersplatz

Die Ära von Papst Johannes Paul II. neigt sich langsam dem Ende zu, und mit seinem achten Konsistorium wolle der Pontifex noch einmal ein Zeichen setzen, so der Tenor der Kommentatoren. Er habe es verstanden, die Spitze der Weltkirche in einem Maße zu internationalisieren, wie dies vor Jahrzehnten noch undenkbar erschien, meint Christiane Kohl in der "Süddeutschen Zeitung". Sie sieht die Ernennungen der 44 Kardinäle als "sinnbildlichen Ausdruck einer immer größeren geografischen Ausbreitung der katholischen Kirche." Doch offensichtlich will der Papst es nicht bei der geografischen Vertretung belassen, auch im Inneren der Kurie zeichnen sich mit der Wahl der neuen Purpurträger eine Kräfteverschiebung ab, die die Kommentatoren einzuordnen versuchen. Mit den beiden Deutschen Walter Kasper und Joseph Ratzinger seien zwei Antipoden ernannt worden, meint Christiane Kohl: "Während Ratzinger schon in frühen Jahren den mystischen Frömmigkeitslehren des italienischen Franziskaners Bonaventura zuneigte, berief sich Kasper auf den eher erkenntnistheoretisch orientierten Thomas von Acquin. Entsprechend steht Ratzinger heute für die reine, abgeschottete katholische Kirchenlehre, hingegen treibt Ratzinger die Ökumene voran." Mehr und mehr stelle sich nun Kasper als Gewinner heraus.