Generalstreffen

"Which side are you on", fragt Susanne Knaul in einem Kommentar für die "Tageszeitung". Aber US-Außenminister Colin Powell, an den die Frage gerichtet ist, hat natürlich nicht geantwortet. Wie auch, er steckt in der Vermittler-Klemme. Will Powell nicht die vielen Millionen jüdischen Wähler in seiner Heimat verprellen, muss er auf Kurs pro Israel bleiben. Um aber die arabischen Staaten und Potentaten für eine gemeinsame Politik gegen Saddam zu gewinnen, "ist zumindest eine gewisse Distanzierung von Israel nötig", meint die "Süddeutsche Zeitung". Vielleicht hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" noch die ehrlichsten Worte für das Powell-Dilemma parat: "Es ist ( ... ) kein einfaches Los, letzte verbliebene Supermacht zu sein. Denn die Gestaltungskraft, die ihr zugeschrieben wird, ist oft viel kleiner als der Titel unterstellt." Trotzdem, die Amerikaner geben in Sachen internationale Konflikte immer noch die beste Vermittlerrolle und damit den Ton an. "Denn außer der einzigen Supermacht hat niemand genug Gewicht, Stehvermögen und Sendungsbewusstsein für diese Aufgabe von globaler Reichweite", schreibt Michael Stürmer im Forum der "Welt". "Es wird eine Pax Americana geben, oder die Region wird friedlos bleiben."

Seuchengalopp

Alles andere als harmonisch geht es auch auf einer nordeuropäischen Insel zu. Naturschutzgebiete gesperrt, Pferderennen abgesagt, Jagden verboten - die Maul- und Klauenseuche in England breitet sich aus. Jetzt ist auch ein Bauernhof betroffen, der Kontinentaleuropa beliefert haben soll. "Europäisches Festland zittert vor dem Virus", schreibt dazu die "Tageszeitung" und widmet dem Thema "Seuchengalopp" eine ganze Hintergrundseite. "Was, bitte schön, kann man im Reich Ihrer Majestät der Königin eigentlich noch essen?", fragt dagegen Autor Stefan Klein in der "Süddeutschen Zeitung". Vielleicht ist das ja der Beginn einer glorreichen Zukunft genmanipulierter Nahrungsmittel, von Engländern schon mal "Frankenstein Food" genannt?

Galgenhumor nennt man so etwas wohl, und den können die Briten im wahrsten Sinne des Wortes auch brauchen. "In den letzten fünf Jahren ist das Gesamteinkommen der britischen Landwirtschaft um zwei Drittel zurück gegangen", schreibt der "Tagesspiegel" und erinnert zugleich daran, dass sich hinter Statistiken wie so oft Schicksale verbergen: "Im Durchschnitt nahm sich im letzten Jahr jede Woche ein Bauer das Leben". Was man in Zukunft überhaupt noch wird essen dürfen, fragen sich übrigens nicht nur die Briten. In Brüssel beraten heute die europäischen Agrarminister über Wege zur Eindämmung der Seuche, in Bonn tritt der zentrale Krisenstab des Landwirtschaftsministeriums zusammen.

Karneval Olé

Endlich wieder Karneval, jubeln die Menschen in Köln, Bonn, Mainz und Umgebung und schlüpfen in die Kostüme. "Arme Säue, die stehen den ganzen Tag frierend am Straßenrand und freuen sich, wenn ihnen einer harte Bonbons an den Kopf wirft!", meint dazu ein Norddeutscher. Ja, so kann man den Karneval auch sehen. Kadaverfröhlichkeit bis zur Alkoholvergiftung. "Frohsinn verpflichtet" meint auch der Berliner "Tagesspiegel" und schaut zuerst den eigenen Landsleuten unter die Narrenkappe. 200.000 Menschen sollen sich den ersten Karnevalsumzug in Berlin seit 43 Jahren angeschaut haben. Das ist beachtlich für ein Volk, das Rosenmontagsumzüge nicht unbedingt zur Tradition zählt. Nur mit den Ausrufen haben die Berliner noch so ihre Probleme: "Karneval an der Spree - olé, olé, olé", hört sich irgendwie zwischen schlimm und zugleich geklaut an." An die Karnevalshochburgen reicht die Performance nicht heran", stellt auch die "Welt" fest.