Aber warum nun die Eile, mit der die hessische Opposition ihre Waffen streckt? Etwa übertriebener Rechtsgehorsam gegenüber Karlsruhe, der es nicht erlaubte, die Möglichkeiten, die das Urteil immerhin noch lässt, sorgfältig zu untersuchen – oder gar politisch zu testen?

Die Gründe dafür sind wohl eher in der nackten Politik als im zuchtvoll verkleideten Recht zu suchen. Die ganze Sache sieht nämlich so aus, als ob insbesondere die SPD sich insgeheim geradezu sehnte nach einem Vorwand, diese heiße Kartoffel wegzuwerfen. Denn ihr konnte an einem juristischen Sieg in dieser Sache rein politisch gar nicht mehr gelegen sein. Wäre der Landtag aufgelöst und neu gewählt worden – wie wäre denn unter den gegebenen Umständen ein triumphaler, ein zweiter Sieg Roland Kochs zu vermeiden gewesen? Wer hätte denn für die SPD als Spitzenkandidat antreten sollen?

Also: Weg mit der Kartoffel – nach dem juristischen Karneval! Ein heimliches Dankgebet nach Karlsruhe!! Und nun bleiben der hessischen SPD noch knapp zwei Jahre, sich einen phänomenalen Spitzenkandidaten und eine Wahlkampfstrategie auszudenken. Selbst das kann zu knapp werden. Der Aschermittwoch beschränkt sich eben nicht immer nur auf einen Tag.