Das Merkwürdige dabei: Der Aschermittwoch ist - rein kirchlich - eigentlich der Tag, an dem man Buß- und Scheltpredigten sich anhören - und nicht etwa selber welche halten soll. Es geht dabei um den Balken im eigenen Auge, nicht um den Splitter in dem Auge des anderen. Man sieht, dass man schon deshalb nicht mehr über ein Bündnis von Thron und Altar zu klagen braucht: In der Politik ist es genau umgekehrt. Da geht es ums Reden, nicht ums Hören. Da geht es um Selbstgerechtigkeit, nicht um Selbstkritik. Da geht es nicht um die Asche auf dem eigenen Haupt, sondern um die glühenden Kohlen auf dem Haupt der anderen.

Übrigens, wer sich - gerade als Politiker - noch einen Rest von geschichtlichem und geistlichem Bewusstsein bewahrt hat, darf sich daran erinnern lassen, dass zu den kirchlichen Propriumstexten auf den Aschermittwoch auch das 5. Kapitel aus dem Buch Daniel gehört, die Geschichte vom Gastmahl des Belsazar. Erinnern Sie sich? Das ist die Geschichte, in der dem darob erblassenden Tyrannen, kurz vor seinem schrecklichen Tod, plötzlich die Schrift an der Wand erscheint: Gewogen und zu leicht befunden... Mene mene tekel u-pharsin!

P.S.: Der Aschermittwoch markiert in der Regel das Ende der närrischen Zeit. In der Führungsriege der CDU geht sie allerdings unverdrossen weiter, vielleicht sogar erst richtig los.