Nächste Woche: Geldanlage - Fonds auf Schnäppchenjagd in Osteuropa

In der TV-Werbung ist alles ganz einfach: Mit der Plastikkarte zu Liebling Kreuzberg, und Manfred Krug steht als Anwalt parat. Im richtigen Leben jedoch garantiert das Vorzeigen einer Rechtsschutzkarte keineswegs, dass der Anwalt sofort hilft - "ohne Knete und Vorschuss", wie es die Werbung vorgaukelt. So bietet die Rechtsschutzplastikkarte eine zwar werbewirksame, aber trügerische Sicherheit.

Denn egal, ob mit oder ohne Karte, der Anwalt muss immer vorher mit der Versicherung klären, ob die für die Kosten des Falles aufkommt. Hält sie das Verfahren für wenig aussichtsreich, muss sie nicht zahlen. Obendrein sind im Kleingedruckten der Versicherungsbedingungen zahlreiche Streitfälle des Lebens aufgelistet, für die die Versicherung grundsätzlich nicht gilt. Doch darauf weist der Vertreter bei Vertragsabschluss in der Regel nicht hin. Die Folge: Viele der Versicherten - immerhin die Hälfte der bundesdeutschen Haushalte sind rechtsschutzversichert - wissen nicht wirklich, welche Prozessrisiken abgedeckt sind und welche grundsätzlich nicht.

Nicht versichert sind beispielsweise alle Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit einer vorsätzlich begangenen Straftat wie Diebstahl oder Betrug. Dies dürfte den meisten noch einleuchten. Weniger bekannt ist aber, dass bei Beleidigungsklagen ebenfalls kein Rechtsschutz besteht. Aber auch wer vollkommen unverschuldet Ärger bekommt, steht in vielen wichtigen Rechtsbereichen alleine da. Zum Beispiel bei Hausbau oder Umbau: Für Prozesse mit Handwerkern, Baubehörden oder Architekten bekommt ein Versicherter grundsätzlich keinen Rechtsschutz. Dies gilt auch für Streit, der die Finanzierung des Bauvorhabens betrifft.

Aus Sicht der Assekuranz gibt es dafür einen simplen Grund: Streitigkeiten rund um den Bau seien praktisch die Regel, so das Argument. Und was zu häufig vorkomme, könne man normalerweise nicht versichern. Dasselbe gilt auch für Erb- und sonstige Familienstreitigkeiten. Auch bei Scheidungsprozessen gilt normalerweise: kein Rechtsschutz! Bezahlt wird lediglich eine einmalige Rechtsberatung. Eine Ausnahme macht neuerdings die ARAG. Für 150 Mark im Jahr zahlt sie auch voll bei Ehescheidungen. Allerdings gilt das Angebot nur zusammen mit einem ARAG-Rechtsschutzpaket, es gibt eine Wartezeit von drei Jahren und einen Selbstbehalt von knapp tausend Mark. Recht happige Bedingungen für ein Risiko, das ARAG-Sprecher Klaus Heiermann für "durchaus beherrschbar" hält. Schließlich werden von den 20 Millionen deutschen Ehen pro Jahr mal gerade ein Prozent geschieden. Sinnvoller erscheint, angesichts vieler Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern, der Mietrechtsschutz - für rund 100 Mark im Jahr. Sollte sich jedoch herausstellen, dass sich ein Streit - zum Beispiel wegen Mietmängeln - schon vor Abschluss der Rechtsschutzversicherung anbahnte, dann gilt auch hier: kein Rechtsschutz. Den gibt es generell nur, wenn die Versicherung bereits abgeschlossen wurde, bevor sich ein Rechtsstreit angebahnt hat. Auch deshalb gilt nach Vertragsschluss eine mehrmonatige Wartezeit.

Grundsätzlich keinen Rechtsschutz gibt es bei Enteignungs- und Planfeststellungsverfahren sowie bei Streit um Patent- und Urheberrechte. Weitere Besonderheit: Bezahlt werden zwar die Kosten im Rahmen von Sozialgerichtsprozessen, jedoch nicht die Anwaltskos-ten im Rahmen des vorgelagerten Widerspruchsverfahrens, zum Beispiel wenn es um Anerkennung einer Erwerbsunfähigkeit geht.

Gleichwohl sind Rechtsschutzversicherungen nicht gerade billig: So verlangt Advocard pro Jahr 540 Mark, Allianz und Vereinte 571,10 Mark und die Hamburg-Mannheimer 572,10 Mark. Die Preise beziehen sich auf den so genannten Familienrechtsschutz (inklusive Mietrechtsschutz) ohne Selbstbehalt, mit einjähriger Vertragslaufzeit und jährlicher Zahlungsweise. Die gleiche Leistung bieten eher unbekanntere Versicherungen erheblich günstiger an. So berechnet etwa die Bruderhilfe 394,60 Mark, die Badische Rechtsschutzversicherung AG 400 Mark die Concordia 433 Mark. Als Besonderheit bietet die Concordia für Ostdeutschland mit 367 Mark einen besonders günstigen Tarif. Grund: Im Osten sind derzeit noch die Anwaltsgebühren niedriger. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Prämie zu senken: zum Beispiel durch Vereinbarung eines Selbstbehaltes. Oft sind es 200 Mark, bei vielen Gesellschaften jedoch 300 Mark, die dann pro Schadensfall aus der eigenen Tasche zu zahlen sind. Die Jahresprämie verringert sich dadurch um bis zu 100 Mark.