Herr Nida-Rümelin, wie fühlen Sie sich denn als ein Teil des neuen deutschen Traumpaares?

(lacht) Ich glaube nicht, dass wir ein deutsches Traumpaar sind, auch wenn manche Medien einen gerne in eine Schablone pressen wollen. Der Rummel, der um die Präsentation des Buchs meiner Lebensgefährtin gemacht wurde, ist doch ziemlich absurd, denn das Buch war schon lange fertig, als wir zusammenkamen, und hat erst recht nichts mit meiner Ernennung zum Kulturstaatsminister zu tun. Ich finde es bedenklich für unsere Medienkultur, wenn unsere beruflichen Aktivitäten, die einfach getrennt voneinander zu sehen sind, dann in albernen Alliterationen wie „Denkerstirn und Dekolleté" [Überschrift aus dem ‘Spiegel’, Anm. d. Red.] vermengt werden.

Also Sie genießen diese Art von Popularität nicht?

Welcher Mensch könnte diese Art genießen? Man braucht natürlich in der Politik ein breites Kreuz, und man muss sich manches anhören, bei dem man sich fragt: Was soll das? Aber das geht ein bisschen zu weit. Da zeigt sich ein neuer Chauvinismus, der sich gegen Frauen im Rampenlicht richtet. Das konnten Sie kürzlich auch bei Doris Schröder Köpf im „Stern" sehen.

Warum Chauvinismus?

Neuer männlicher Chauvinismus will heißen: Jeder Frau, die mit einem Politiker oder mit einem Mann in sonstiger Führungsposition zusammen ist, wird unterstellt, sie falle in das weibliche Rollenklischee der 50er oder 60er Jahre zurück – Heimchen am Herd - und wenn hübsch, dann sicher doof. Und wehe, sie ist dann auch noch blond. Da ist eine merkwürdig stereotype Berichterstattung zu beobachten.

Vom Traumpaar - hätte ich beinahe gesagt - zum Albtraum. Ihre ersten Wochen im Amt, sind die nicht ein bisschen alptraumhaft für Sie, weil Sie für Kultur antreten und plötzlich in einen ethischen Diskurs mit einer ganzen Reihe von Verurteilung geraten sind? Haben Sie das nicht geahnt oder haben Sie gar für den Kanzler Schröder die Scheuklappen wegräumen wollen?