Am DONNERSTAG ist Weiberfastnacht, da habe ich eins, zwei, drei, vier, elf, ach nein, auf der anderen Seite stehen ja auch noch welche, 14 Termine. Um 11.11 Uhr geht's im Festzelt auf dem Alexanderplatz los. Wir, also der Prinz, seine Tollität Thomas I., und ich, müssen eine Ansprache an das närrische Volk halten und uns anschließend den Gästen in der VIP-Lounge widmen. Ich weiß gar nicht, was für VIPs da sein werden, aber das ist auch nicht so wichtig. Hauptsache, wir sagen ganz oft Heijo!. Das ist zusammengesetzt aus Heiterkeit und Jokus und hat für die Berliner Karnevalisten dieselbe Funktion wie Alaaf für die Kölner.

Nach dem Besuch im Festzelt machen wir eine Runde durch die ganze Stadt. Von der Behindertenwerkstatt über das Auswärtige Amt bis zum Justizministerium - alle feiern Weiberfastnacht, und alle wollen uns dabeihaben.

Bei all diesen Veranstaltungen kann ich viele Kontakte knüpfen, die ich später beruflich nutzen werde. Ich arbeite in einem Gemeinschaftsbüro des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern und der Fährengesellschaft Scandlines. Die haben, als letztes Jahr eine Prinzessin gesucht wurde, gesagt: Okay, wir stellen und finanzieren die Prinzessin, davon können wir auch profitieren. Und dann fragte meine Chefin mich, ob ich das machen wolle. Ich hatte zwar bis dahin nie etwas mit Karneval zu tun gehabt, aber ich wäre ja dumm gewesen, wenn ich das abgelehnt hätte. Schließlich werden mir meine Auftritte als Arbeitszeit angerechnet!

Am FREITAG geht es etwas ruhiger zu, da haben wir nur drei Termine am Abend.

Das heißt für mich: Ich kann mal wieder ausschlafen. Wenn ich mich um meinen Haushalt gekümmert habe, bleibt hoffentlich noch genug Zeit, mein Prinzessinnenkleid in die Waschmaschine zu stecken. Das wird bei den vielen Auftritten so strapaziert, dass ich es jeden zweiten Tag waschen muss - oder genauer: jede zweite Nacht. Tagsüber, so wie heute, komme ich leider nur selten dazu.

Am Nachmittag wird mich dann unser Fahrer abholen und zur ersten Kostümsitzung bringen. Drei werden es heute Abend sein. Der Ablauf ist eigentlich immer derselbe: Der komplette Hofstaat, meistens noch begleitet von einer Garde, marschiert zu festlicher Musik in den Saal ein. Dann halten wir eine Ansprache an das närrische Volk. Ich kann es nicht ausstehen, zweimal dasselbe zu sagen, deswegen denke ich mir immer spontan etwas Neues aus.

Am SAMSTAG müssen wir sechs Auftritte bei verschiedenen Berliner Karnevalsvereinen absolvieren. Das geht von halb elf Uhr vormittags bis abends. Die genauen Termine kenne ich aber nicht. Um die kümmert sich zum Glück unser Hofmarschall. Um Mitternacht werden wir dann bestimmt im O.U.T.