Ganz wie beim Rinderwahn. Jahrelang haben Politiker alles falsch gemacht.

Jahrelang haben die Unternehmer nur aufs Geld geschaut. Jahrelang haben sie ihren Kunden verkommene Produkte verkauft. Erst als alles, buchstäblich, zusammenbrach, kam die große Wende (jedenfalls in Worten).

Kommt auch die Verkehrswende, weg von der Straße - hin zur Schiene, erst, wenn analog all diese Stationen durchlaufen sind?

Wer Norbert Hansen zuhört, muss das glauben. Dass die Bahnreform misslungen ist, weiß jeder. Dass es am Himmel und auf der Straße immer enger wird, erlebt jeder. Nur im Bewusstsein ist es noch nicht angekommen. So handeln Politik und Unternehmen, als wäre nichts geschehen.

Norbert Hansen hat sich aufgemacht, die Ruhe zu stören. Er redet einer "ökonomischen und ökologischen Verkehrspolitik" das Wort, "die die Interessen der Beschäftigten dort im Auge behält". Der Relativsatz ist wichtig. Denn Norbert Hansen ist Vorsitzender der Gewerkschaft Transnet (die den alten Namen GdED, Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, noch im Untertitel führt).

Der Mann ist also Funktionär, aber gewiss einer der weniger typischen. Er ist rhetorisch begabt, ein Kommunikationstalent jenseits einschlägiger Moden, selbstbewusst, ohne Umstände zur Sache kommend. Ja, Norbert Hansen ist gleichsam ein Hybrid-Funktionär: Er läuft mit gewerkschaftlichem, unternehmerischem und politischem Kraftstoff - und dies in der Regel nicht je nachdem, sondern am liebsten gleichzeitig.

Dass diese Antriebsquellen kein untaugliches Gemisch bilden, sondern gemeinsam wirken, liegt erst einmal am Sujet: Eine ökonomisch vernünftig eingerichtete Bahn hülfe sowohl den Mitarbeitern als auch dem Unternehmensergebnis und der Verkehrspolitik. Zum anderen ist damit die Persönlichkeitsstruktur von Norbert Hansen beschrieben.