Auf der Konferenz "Zukunft sichern" gab es für die SPD-Fraktion eine frohe Botschaft. Ulla Burchardt verkündete: "Nachhaltigkeit ist inzwischen Chefsache." Nur der Chef selbst fehlte. Er war in einer anderen Chefsache unterwegs, nämlich der des Aufbaus Ost. Zwar hatte Schröder Wolfgang Thierse als apokalyptischen Schwadroneur und Jammerossi abgebürstet, weil der gewarnt hatte, Ostdeutschland stehe "auf der Kippe". Dennoch musste der Chef sich der Chefsache wegen blicken lassen.

Der Ort? Eine gute Wahl: Schwedt, das einstige Oderdorf, das in der DDR zum Chemiestandort aufgeblasen worden war und nun Ort konzentrierter Trostlosigkeit ist - Abwanderung, Arbeitslosigkeit, leer stehende Plattenbauten, Rechtsradikale. Die "Platte" und die Stasi-Akten, das vor allem ist die DDR-Aktualität zehn Jahre nach der Einheit. Und Schwedt ist die Stadt, die als Erste mit dem Abriss der symbolträchtigen Plattenbauten begonnen hatte. Der Chef sagte: "Ich wollte das persönlich mal sehen" und verkündete eine "gemeinsame Aktion" von Bund, Ländern und Kommunen gegen den Leerstand.

Gegen den Leerstand? Warum wird dann nicht gleich eine gemeinsame Aktion für bessere Zeiten verkündet? Vor drei Monaten stellte ein Bericht des Bauministeriums fest: Die ostdeutschen Städte "zerfallen in Fragmente aus leeren Altbaugebieten, in neuer Pracht wiedererstandenen Kernbereichen, halbleeren Plattenbausiedlungen und in große, neue Eigenheimsiedlungen".

Die Entscheidung drängt: Was soll aus den ostdeutschen Städten werden? Abriss ist vielleicht ein Anfang. Darüber aber schwieg der Chef in Schwedt.

Nachhaltig ist nur die Chefsache selbst. Klaus Hartung