Es gibt immer einen special guest, mit dem sich der Moderator im Stehen unterhält, am Tresen lehnend. Beim Thema Eifersucht ist das ein Polizist, der beteuert: Im Leben ist es genau so wie im Fernsehen. Bei Liebesdramen fließt Blut, und die untreue Frau lebt gefährlich.

Ist es so einfach? Darf Eifersucht überhaupt sein? Passt sie zu aufgeklärten Menschen in einer pluralistischen Kultur? Oder ist sie am Ende eine Leidenschaft, die jeden guten Willen niederwalzt? Später dann, in konzentrierter Runde mit sechs Gästen, lotet Wieland Backes tiefer. Leon de Winter, der viel reist, braucht den Kontrollanruf zu Hause, Esther Vilar erkennt in der Verlustangst die andere Seite der Liebe, aber es ist auch ein junger Mann dabei, der, so sagt er, eifersuchtsfrei mit mehreren Partnerinnen einer Kommune lebt. Und dann ist da noch eine Frau, die ein wahrer Eifersuchtsjunkie war und eine Therapie brauchte, um von manischer Kontrollwut geheilt zu werden. Ebenso sanftmütig wie unerbittlich steuert Backes durch die Wogen der Widersprüche. Wenn er abbricht und sagt: Wir kommen drauf zurück, ist das keineswegs das bekannte leere Moderatorenwort, sondern ein Versprechen. Oder eine Drohung. Denn im Nachtcafé wird Ernst gemacht mit dem Gespräch als Technik des Rausfindens.

Es wird erzählt, gebeichtet, geschwätzt, gelacht. Aber auch argumentiert und entwickelt. Am Ende sitzen alle glücklich und verwirrt herum. Sie haben etwas erlebt, das es eigentlich im Medium Fernsehen nicht geben soll: Gedankenarbeit, neunzig Minuten lang. Und dann war's auch noch höchst unterhaltsam.

So was kommt nicht von ungefähr. Die Folgen des Talk-Oldies Nachtcafé im SWR werden sorgfältig Wochen vorher geplant, die Gäste handverlesen, die üblichen Verdächtigen eher gemieden, stattdessen spezifisch Kundige gesucht und geprüft. Und man wahrt die Proportion 50 zu 50, was Promis und Normalos betrifft. Die Aufzeichnung findet im Schloss Favorite zu Ludwigsburg statt, in einem noblen Rahmen, der den Gästen schmeichelt. Der Moderator weiß alles über Thema und Leute und bringt dennoch das Kunststück fertig, sich als eine Art heiteres Medium mit Hang zu Flirt und Spiel in der Arena zu bewegen - und doch, und doch. Weh dem, der lügt. Backes kommt drauf zurück. Er lockt jeden aus der Reserve. Aber nicht, um ihn mit Nettigkeiten zu unterfordern, sondern um ihn charmant zu nötigen, sich an der Suche nach der Wahrheit zu beteiligen.

Seit Beginn des Jahres gibt es diese Oase in der Talk-Wüste dreimal monatlich (Backes: ein Quantensprung), jeweils freitags auf SWR, außer am Monatsende, da sendet dann der SFB, der, gemeinsam mit 3sat, die besten Folgen wiederholt. Auf der Themenliste der Zukunft stehen: Die Erfolgsmacher - Genies oder Scharlatane?, Harte Frauen - zarte Männer, Im Schatten von ..., Für immer jung und Die Lust an der Provokation. Wenn alles nach Plan geht, wird Backes seine Provokateure am 20. April provozieren.

Sanftmütig und unerbittlich. Und mit einem hoch erwünschten, raren Gewinn: Sinn.

Nachtcafé 23.2. B1, 13.00 Uhr