Als amerikanische und britische Militärplaner den Angriff gegen die irakische Luftverteidigung planten, hatte George W. Bushs Regierung ihre Irakstrategie noch gar nicht festgelegt. Wegen des Wahlfiaskos von Florida warten die zuständigen Beamten noch immer auf die kongressionelle Zustimmung zu ihrer Ernennung. Seit Jahren versuchen die Iraker, amerikanische und britische Jets abzuschießen

ebenso lange werden diese Versuche mit der Entsendung von ein paar Flugzeugen beantwortet, die Radarstationen und Raketenbatterien angreifen. Diesmal aber reagierte man viel heftiger: mit 24 Flugzeugen (und 30 weiteren zur Unterstützung) gegen Ziele, zu denen die irakische Flugabwehrzentrale direkt bei Bagdad zählte.

Statt die Angelegenheit bis zur Formulierung ihrer Strategie aufzuschieben, einigten sich Vizepräsident Cheney, Verteidigungsminister Rumsfeld, Außenminister Powell und die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice gleichsam aus dem Stand. Offenbar hatten sie nur einen technischen Grund für den Angriff: Die Iraker waren dabei, mit chinesischer Hilfe ihre Radarsysteme mit Glasfaserkabeln zu vernetzen. Das hätte die Gefahr für die amerikanischen und britischen Flugzeuge erhöht, die das 1991 vom UN-Sicherheitsrat über den Irak verhängte Flugverbot kontrollieren.

Unterdessen sind die fünf Knoten der amerikanischen Irakpolitik aber noch immer nicht entwirrt. Der einfachste ist das Waffenembargo. Der UN-Sicherheitsrat hat ein Einfuhrverbot verhängt, das aber jeder Staat anders interpretiert. Weder Russland noch China haben ihre Zustimmung zum Embargo widerrufen - aber sie strengen sich auch nicht besonders an. Andere Länder, die Slowakei etwa oder Nordkorea, verscherbeln, was sie haben. Die USA können nicht mehr tun, als irakische Importe zu ermitteln und schärfere Kontrollen zu fordern. Bleibt die Frage, wie viel Druck Amerika ausüben wird. Unter Clinton war es damit nicht weit her

das wird jetzt anders.

Gegen irakische Wiederaufrüstung hilft in Wirklichkeit nur die Kontrolle der Ölexporte durch die Uno. Der Irak darf so viel Öl verkaufen, wie er will, aber die Erträge gehen an eine UN-Stelle, die dafür die irakischen Rechnungen für Medizin und Lebensmittel begleicht. Aber der Irak schmuggelt inzwischen in großem Stil Öl über Zwischenhändler. Dessen Fluss zu stoppen ist zwar möglich. Aber zu welchen Konzessionen wird die Regierung Bush dabei bereit sein? Mit ein paar schnellen Anrufen ist es jedenfalls nicht getan.

Der dritte Knoten heißt Iran. Zwar wird das Land noch immer von Radikalen beherrscht, aber die Gefahr eines Eroberungskrieges gegen die arabischen Staaten geht nicht mehr von ihm aus. Die Furcht davor war noch 1991 der Grund dafür, dass die Amerikaner vor dem Marsch auf Bagdad zurückschreckten. Heute könnte das Regime im Irak zerstört werden, ohne dass die Araber in Gefahr gerieten. Aber was bedeutet das für die amerikanische Strategie gegenüber dem Iran?