Zu Fischer ist zu sagen, dass er nicht Berlin als Gravitationszentrum europäischer Innenpolitik meinte, sondern einen Kern von europäischen Vorreiterstaaten, die als Motor der weiteren europäischen Entwicklung dienen sollen. Herrn Fischer als großmannssüchtig darzustellen und die Leistungen Genschers um ein vereintes Europa im selben Atemzug ebenfalls zu diskreditieren halte ich für höchst verwerflich. Im Übrigen seien die beiden "Diskutanten" darauf hingewiesen, dass es nicht nur eine EU- Gleichstellungsrichtlinie gibt, die für Frauen auch das Recht zur Arbeit beim Militär erfasst, sondern einen Art. 2 Abs. 2 GG: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Zudem hat nicht die EU die Frauen zum Dienst an der Waffe gezwungen, wie es sich liest, sondern Frauen haben dieses Recht für sich in Anspruch genommen, Art. 12 Abs. 4 GG hin oder her.

Rainer Viergutz , Marburg

Die Türkei könne nicht in die EU aufgenommen werden, denn sie grenze an Syrien, Georgien und den Irak, und dort sei nicht mehr Europa, so Herr Stoiber. Was ist das für eine Argumentation? Folgen wir der Logik, dann dürfte auch Polen nicht in die EU aufgenommen werden, denn es grenzt an die Ukraine, und die Ukraine gehört nach Herrn Stoibers und Herrn Schmidts Meinung ebenfalls nicht mehr zu Europa.

Auch scheint mir die Bestimmung des "Europäischen" seitens der beiden sehr fragwürdig. Die Oktoberrevolution von 1917 ist ohne die Französische Revolution überhaupt nicht denkbar. Arg verkürzt, lässt sich mit einigem Recht behaupten, dass die Ideen, auf denen die Oktoberrevolution von 1917 mit all ihren Folgen beruht, ein Export aus (West-)Europa sind.

Es gibt sicher Gründe, Russland und die Türkei nicht in die EU aufzunehmen - zumindest auf absehbare Zeit. Weder die Türkei noch Russland erfüllen das Kriterium der Menschenrechte. Aber die Berufung auf angebliche kulturelle und historische Faktoren sowie das Argument der großen Bevölkerungszahl kann sich in diesem Falle sehr schnell als sehr dünnes Eis erweisen.

Thomas Möbius, Berlin