Die meisten Kommentatoren setzen auf die weißen Männer. Denn Colin Powell, der beim Volk und im State Department beliebt ist, mangelt es an politischen Verbündeten im Kongress. Und Condoleezza Rice musste nicht nur zusehen, wie das Personal ihres Sicherheitsrates zusammengestrichen wurde, ihr selbst wurde auch der Kabinettsrang versagt. Vizepräsident Cheney ist hingegen ein alter Fuchs im politischen Spiel der Hauptstadt - und hat zudem das Ohr des Präsidenten.

Zwar eint das Bush-Team der Widerspruch zu ihren Vorgängern. Anders als die Clinton-Regierung halten sie allesamt wenig davon, aus humanitären Gründen in bewaffnete Konflikte einzugreifen. Alle fordern zudem den Ausbau des Militärs und betonen, amerikanische Interessen müssten künftig im Umgang mit dem Ausland wieder groß geschrieben werden. Doch was das konkret heißt, darüber zeichnet sich ein heftiger Disput ab.

Während Powell und Rice beispielsweise für Mäßigung gegenüber dem erwachenden Rivalen China plädierten, warnt Rumsfeld vor Chinas militärischen Ambitionen.

Und während Powell martialische Töne in Sachen Irak vermied, warb Staatssekretär Wolfowitz kürzlich mehrfach dafür, im Süden des Landes "Sicherheitszonen" zu erkämpfen.

Die Hardliner lassen auch beim Reizthema National Missile Defense (NMD) bislang keine Kompromissbereitschaft erkennen. So schob Verteidigungsminister Rumsfeld die Vorbehalte der Alliierten in der vergangenen Woche knapp zur Seite: "Auch sie werden wie wir erkennen, dass es politisch nicht hinzunehmen ist, die eigene Verwundbarkeit zu akzeptieren." Kurze Zeit später gab sich Außenminister Powell durchaus konzilianter: "Wir tragen gegenüber unseren Alliierten, China und Russland die Beweislast, dass NMD ein vernünftiges Projekt ist."

Scharmützel zwischen Pentagon und State Department haben in den USA Tradition, immer mal wieder mit vertauschten Rollen. Auch Clintons Minister Madeleine Albright und William Cohen waren einander in herzhafter Feindschaft verbunden. Demnächst könnte Powell indes günstigere Karten haben, denn bald schon dürfte Verteidigungsminister Rumsfeld in ganz anderen Gefechte verwickelt sein. Nimmt er nämlich seine eigenen Bedrohungsszenarien ernst, steht er gleich vor zwei Herkulesaufgaben.

Militärreform und Raketenabwehr: Für beides fehlt das Geld