Drei Wilde in Baströckchen erobern den Strand von Dünkirchen. Sie tragen Sonnenschirmchen durch die Stadt des Regens, sie grölen Lieder. Zotige Verse wechseln sich ab mit dem Refrain über Fabriken, die lungenkrank machen. Es ist Karneval in Dünkirchen. Unzufriedenheit, Vorurteil und Sexismus kriechen ins Kostüm und kokettieren mit dem Unbekannten. Drei Tage Urlaub müssen reichen, um der Hafenstadt im Norden Frankreichs zuzubrüllen, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Den ersten Tag hat der Wachmann Christian zu Beginn von Thomas Vincents kraftvollem Filmdebüt Karnaval schon versoffen. Heimwärts zu Kind und Schwiegermutter, rutscht der unsichere Klotz seiner Frau Bea (Sylvie Testud) aus den zierlichen Händen. Ein Fremder wird Christian auf den Rücken nehmen und die Treppe hochtragen, nicht ohne sich, schnaufend unter der ehemännlichen Last, in Bea zu verlieben. Eben noch war Larbi auf dem Weg ins sonnige Marseille, nun zieht es ihn mit Macht zu der Frau des (ganz) anderen. Mögen Christian und seine Freunde in BHs und Nylonstrümpfen indessen auch Tante Charlie spielen, die komisch verbrämte Vorliebe fürs Tuntige fordert erst recht den Beweis ihrer Männlichkeit. Der algerischstämmige Larbi gilt ihnen als Dieb und Schwächling, bis er sich in einer tumultuarischen Nacht auf ein Kampftrinken mit dem Mann seiner Angebeteten einlässt. Die Gewalt, die unausweichlich erscheint wie die funkensprühende Körperlichkeit zwischen Bea und Larbi, richtet sich in dieser außergewöhnlichen Dreiecksgeschichte letztlich nicht gegen den geschmähten, den dunkelhäutigen Franzosen. Am Ende wird der weiße Underdog der eigenen Raserei fremd gegenüberstehen, unfähig, aus der anarchistischen Freiheit des Karnevals Schlagfertigkeit für den Alltag zu gewinnen.